Rezension

Blaudzun

Jupiter


Highlights: Rotterdam // Echo Heartache
Genre: Indie
Sounds Like: Peter, Björn & John // Dry The River // Cold War Kids

VÖ: 07.10.2016

Die gute Nachricht zuerst: Blaudzun haben sich von Arcade Fire gelöst. War der Vorgänger stellenweise kaum vom Sound der Kanadier um Win Butler zu unterscheiden, sind die Anleihen mittlerweile weitgehend verflogen. Das ist zugleich die schlechte Nachricht. „Besser gut kopiert, als mäßig selbst komponiert“, ließe sich das ein wenig böse formulieren. Die Opulenz und der Schwung von „Promises Of No Man's Land“ sind buchstäblich zerbröselt. Wo der Lack ab ist, zeigt sich ein sprödes, uninspiriertes Gerüst, das sich nahezu in Gänze durch „Jupiter“ zieht. Was fehlt, ist die Luft zum Atmen. Die einzelnen Stücke kommen so kurz daher, dass sie in Summe auch gut als Album-Teaser durchgehen könnten – oder als ausgedehnte EP. Da die Soundstrukturen aber wirken, als seien sie auf Komplexität ausgelegt, wäre es nur konsequent gewesen, diese Karte auszuspielen, statt den Versuch zu wagen, die Länge des klassischen Radiosongs einzuhalten.

Dass Johannes Sigmond es anders kann, zeigt er im besten Song der Platte, „Rotterdam“. Der ist zwar auch nur unwesentlich länger – und erinnert noch einmal an Arcade Fire – hat aber wenigstens Zug. Auf die Gitarre zu Beginn folgt das Klavier samt hohem, hallendem Gesang. Streicher setzen ein und katapultieren den Closer des Albums in höhere Sphären, ohne komplett die Bodenhaftung zu verlieren. „Enough, enough of Rotterdam“, singt Sigmond – eine Zeile, die hängen bleibt.

Und sonst? Sonst bleibt der Eindruck hängen, dass Blaudzun sich verliert zwischen trockenem, knarzigem Folk-Rock und schwermütigem Gesang. Sicherlich ist die Idee, jazzige Sounds einzuweben („Everything Stops“, „Echo Heartache“) ganz nett, sie hilft aber nicht dabei, aus einer mittelmäßigen Platte etwas Besonderes zu machen. Die Single „Between A Kiss And A Sorry Goodbye“ ist ein guter Indikator hierfür und somit als Hörprobe zu empfehlen. Getragen von einem aufgesetzt spielerischen Hintergrund-Singsang quält sich das Lied voran, baut Spannung lediglich durch ein paar ungewöhnliche Harmonien auf und endet schließlich in einem Fade-Out. Fade-Out? Ja, genau, Fade-Out. So ungewöhnlich wie unnötig. Schade, da war mehr drin.

Mischa Karth

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"Between A Kiss And A Sorry Goodbye"

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