Rezension

Black Mountain

Wilderness Heart


Highlights: The Way To Gone // Wilderness Heart
Genre: Psychedelic Rock
Sounds Like: The Black Keys // Josh Tillman // Fleet Foxes // Arcade Fire

VÖ: 17.09.2010

Ein Hai mit Mittagsappetit und weit aufgerissenem Maul streckt sich vom Cover von „Wilderness Heart”, dem entgegen, der das Neue, dritte der Kanadier von Black Mountain in den Händen hält. Was jedoch auf den ersten Blick stark an das Cover einer der unzähligen Faith-No-More-Best-Ofs erinnert, ist bei nahem Hinsehen nur ein auf Hausfläche projiziertes Bild. Gefahr bestand also nie und ähnlich verhält es sich auch mit dem musikalischen Inhalt des „Wilderness Heart“: Zu sehr in Schranken gewiesen, zu sehr auf glatte Oberfläche gebügelt.

Dabei waren die Vorzeichen durchaus andere. „In The Future“, das 2008er Werk der Band war ein Monument, irgendwo zwischen hippieskem Folk und Stonerrock. Das vorab veröffentlichte „Old Fangs“ sollte diesem Stil folgen – wieder die typisch psychedelischen Keyboardparts, der wechselhafte Gesang und ordentlich 6-saitigen-Lärm. Zu sehr übertrieben allerdings wirken die Ausflüge in die sechziger auf Albumlänge. Die Freie-Liebe-Atmosphäre eines „The Hair Song“ oder der Ballade „Radiant Hearts“ klingen zu sehr aufgesetzt. Ob „Rollercoaster“, „Buried By The Blues“, die Eigenständigkeit der Band scheint abhanden gekommen, vielmehr versucht man sich an Elementen der Woodstock-Zeit wie die zigtausend Dorfkapellen, die Pink-Floyd-Klassiker mit singenden Schülerinnen als Backgroundchor covert. „Let Spirits Ride“ hat immerhin etwas von schnelleren Black-Sabbath-Stücken und mit „The Way To Gone“ und dem Titeltrack gibt es auf der zweiten Albumhälfte immerhin noch einige gute Stücke.

Dieses „hat man schon alles gehört“ – Gefühl lässt „Wilderness Heart“ wie im Fluge vorbeigehen - und die Erinnerung daran in Minuten verschwinden. Vielleicht wäre es für Black Mountain an der Zeit, sich dem Sprichwort zu widmen „Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab“. Das die Band in der Lage ist, auch im 21. Jahrhundert noch Musik aus anderen Zeiten interessant neuzuarrangieren, hat sie mit „In The Future“ gezeigt. Mit „Wilderness Heart“ allerdings, wie man es eben nicht machen sollte.

Klaus Porst

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