Rezension

Birdy

Birdy


Highlights: Fire And Rain // Terrible Love // Without A Word // Shelter
Genre: Pop
Sounds Like: Feist // Duffy // Alicia Keys // Adele // Anna Ternheim

VÖ: 23.03.2012

Wie so häufig kann man sich auch beim Debütalbum der noch 15jährigen Jasmine van den Bogaerde fragen, warum die großen Plattenfirmen Platten hierzulande immer wieder mit einigen Monaten Verspätung auf den Markt bringen. Allerdings gibt es beim selbstbetitelten Erstling von Birdy noch eine weitere, schwerwiegendere Frage: Ist diese Sammlung von Coverversionen das Aufleben einer alten Folk- und Soul-Tradition oder ist es der peinliche, musikalisch schlechte und überhaupt verwerfliche Versuch der Plattenfirma, aus dem Hype um eine minderjährige Interpretin möglichst viel Gewinn zu schöpfen.

Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die durchschnittlichen Fans von Phoenix („1901“), Bon Iver („Skinny Love“), Fleet Foxes („White Winter Hymnal“), The Postal Service („The District Sleeps Alone Tonight“), The xx („Shelter“) und The National („Terrible Love“) pauschal entsetzt reagieren werden, wenn sie die Songs des Albums hören. Auch die Anhänger von The Naked And The Famous werden mit Stirnrunzeln auf die Version von Young Blood reagieren und den früher Geborenen wird es mit James Taylors nun mehr 32 Jahre altem und dutzendfach gecoverten „Fire And Rain“ nicht viel anders gehen. „Fire And Rain“ und Folk-Vortrag im Stile der frühen 1970er Jahre sind dabei durchaus die richtige Schublade für Birdys poppige Interpretationen. Als zeitgenössischer Vergleich bietet sich am ehesten vermutlich Leslie Feist an, auch wenn der Interpretin Birdy und den auf sie zugeschnittenen Piano-Arrangements die Eigenheiten, die Spannung, die Kreativität und das Unverwechselbare abgehen, das eine Feist, aber auch eine Adele und einen Michael Kiwanuka ausmacht. Die Schwäche des Ansatzes der Platte wird besonders deutlich in „Young Blood“, da der Song an sich schon nur ein Ohrwurm für eine Saison war und dies in der hier präsentierten Folk-Soul-Interpretation besonders deutlich wird.

Lässt man dies aber außen vor und akzeptiert, dass keine Coverversion von „White Winter Hymnal“ die gleiche Reaktion hervorrufen wird wie das Original zum ersten Mal zu hören, so zeigt sich hier eine Interpretin und vielleicht sogar eine Künstlerin, deren Stimme, deren Klavierspiel und deren emotionaler Vortrag zu großem heranwachsen kann. Wären die Stücke hier ursprüngliche eigene Birdy-Songs, so bliebe reine Begeisterung. Auch so jedoch erlangen die Stücke einen Charakter, in dem die Originale nicht unbedingt immer wieder zu erkennen sind. In besagter folkpoppiger Präsentation, die irgendwo zwischen Anna Ternheim und Joni Mitchell, zwischen Feist und Adele anzusiedeln ist, entfalten besonders „1901“, „Skinny Love“, „The District Sleeps Alone Tonight“, „Terrible Love“ und „Shelter“ Eigenschaften, die in den bekannten Versionen nicht unbedingt zu erkennen sind. Das heißt tatsächlich auch, dass diese Pianopopfolk-Interpretationen nicht schlechter sind als die Originale, sondern höchstens weniger eigen, weniger speziell. Das Album „Birdy“ präsentiert sich hier als ein einfaches und einfach schönes Album, in dessen Wohlklang sich versinken lässt. Natürlich mag manches davon weniger Birdys Verdienst denn den verschiedenen Produzenten zuzuordnen sein, die je nach Präferenz auch schon für und mit Biffy Clyro, The Last Shadow Puppets, Editors und Interpol gearbeitet haben. Aber das ändert nichts an der überzeugenden Schönheit der Musik.

Oliver Bothe

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