Rezension

Birdy

Beautiful Lies


Highlights: Shadow // Keeping Your Head Up // Wild Horses // Beautiful Lies
Genre: Pop
Sounds Like: Lorde // Ellie Goulding // Ben Howard

VÖ: 25.03.2016

Jasmine van den Bogaerde dürfte wohl zu den reifesten Songwriterinnen Großbritanniens gehören, was gerade in Anbetracht ihres jungen Alters eine enorme Auszeichnung ist. 

Als sie im Jahr 2011 ihr selbstbetiteltes Debüt veröffentlichte, faszinierte sie Fans und Kritiker gleichermaßen mit gefühlvollen Interpretationen großartiger Songs wie „1901“ (Phoenix), „White Winterhymnal“ (Fleet Foxes) und allen voran dem bittersüßen Cover von Bon Ivers „Skinny Love“. Doch aus dem 15jährigen Ausnahmetalent mit der Engelsstimme ist innerhalb der letzten fünf Jahre eine gereifte Songwriterin geworden, deren Songs das gesamte Spektrum der Melancholie beackern. 

Textlich lässt sich das bereits am Albumtitel selbst und an Songtiteln wie „Growing Pains“, „Deep End“ oder „Lost It All“ dokumentieren. Die lyrische Intelligenz von Birdy erlaubt es dem Hörer darüber hinaus, eine reife und reflexive künstlerische Persönlichkeit auf dem Weg durch die Pubertät und das Musikbusiness zu begleiten. So heißt es beispielsweise in Silhouette: „I can take my makeup off and put a brave face on”. 

Die Auseinandersetzung nicht nur mit dem Musikbusiness, sondern dem Einfluss des Heranwachsens auf zwischenmenschliche Beziehungen und das Leben an sich wird von Birdy so trefflich dokumentiert, dass man häufig vergisst, dass man es mit einer gerade einmal 19jährigen zu tun hat, deren emotionaler Erfahrungsschatz den ihrer peers nicht zwingend übersteigt, der aber ungleich selbstreflektierter und künstlerisch reif aufgearbeitet wird. 

Dass das Grundtopos die Melancholie ist: geschenkt. Dabei verliert sich Birdy aber keineswegs in der eigenen Melancholie, sondern reizt den Spielraum zwischen Verletzlichkeit und mentaler Stärke aus und bewegt sich damit in einem Spannungsfeld zwischen Aufgabe und Jetzt-erst-recht. Und genau das ist es, was Birdys Geschichten vom Leben, von Menschen und von sich selbst so spannend macht. Sie hat etwas zu erzählen und kostet dabei die gesamte Vielfalt der postpubertären Gefühlspalette aus. „Beautiful Lies“ ist Popmusik, wie wir sie uns wünschen. Sie funktioniert aus sich heraus, ohne dabei berechnend zu sein oder einfach nur gefallen zu wollen.

Andreas Peters

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