Rezension
Be Your Own Pet
Get Awkward
Highlights: Super Soaked // The Kelly Affair // Food Fight! // Zombie Graveyard Party
Genre: Indie-Noisepunk
Sounds Like: Yeah Yeah Yeahs // Pixies // The Bronx
VÖ: 21.03.2008
Was macht Otto Normalverbraucher nachts in einer nordamerikanischen Kleinstadt auf einem Friedhof voller versiffter, übelriechender B-Movie-Zombies? Er wird sich erstmal fragen, in was für einem Anflug des Schwachsinns er sich überhaupt dorthin begeben hat. Darauf folgt dann wahrscheinlich ein gewisses Gefühl der Panik, veräußerlicht durch unkoordiniertes Umherrennen und bald in Heiserkeit erstickende Hilferufe. Dass dabei kein anständiger Fluchtversuch zustande kommt, liegt natürlich sehr im Sinne der modrigen Friedhofsbewohner, die den über einen schlecht platzierten Stein gestolperten Otto mal eben wie ein Stück Styropor zerpflücken und ihrem Ernährungskreislauf zuführen. Ist nicht schön, aber sorgt in Neo-Trash-Streifen wie just „Planet Of Terror“ schon mal für einen beherzten Lacher.
Was machen die blutjungen Be Your Own Pet nachts in einer nordamerikanischen Kleinstadt auf einem Friedhof voller versiffter, übelriechender B-Movie-Zombies? Haha, da ist an Panik nicht zu denken! Was sind überhaupt Zombies? Die sehen eigentlich eh' nur aus wie die langweiligen Erwachsenen im Supermarkt! Und so wird der Zombiemob kackfrech mit der neongelben Supersoaker bearbeitet, die „Zombie Graveyard Party“ fließend in einen derben „Food Fight!“ mit Schokotorten verwandelt und am Ende der Spieß umgedreht. „Let me eat your brain!!!“ This is how it goes, Otto!
Klingt merkwürdig? Soll es, der Albumtitel ist wörtlich zu verstehen, das Motto äußert sich aber (zum Glück) nicht im Einsatz von Akkordeon, Panflöte oder Badewanne zum Zweck akustischer Eigenrevolution: Be Your Own Pet knüpfen direkt an ihr aufgedrehtes, krachiges, rasend schnelles Debüt an, indem sie weiterhin wilde Punkrotznummern mit Sängerin Jeminas glasklarem Organ und zersägten Noisesoli pimpen. Klingt im Idealfall wie „Super Soaked“, im Extremfall wie die 43 Sekunden des Lärms von „Blow Your Mind“. Gut, Midtempo-Tracks wie „Becky“, das ohne rot zu werden auf den Gesangswagon von „Locomotion“ aufspringt oder das trügerisch-pissig betitelte „You're A Waste“ mögen im Direktvergleich zum Debüt fast lässig klingen, sind der Band aber zwecks Weiterentwicklung ruhigen Gewissens zuzugestehen. Die Highlights bilden dennoch Songs wie „The Kelly Affair“ mit Refrains wie „Everybody here parties all the time, everybody here's got sex on their minds“. Wer sich sowas in der geschmackssicheren Indiedisko wünscht, zaubert auch dem DJ ein Lächeln aufs Gesicht.
„Spaß, Spaß, Spaß“ heißt es also auch auf der zweiten Platte der gerade-mal-Zwanziger aus Nashville. Sind die echt so jung? Gott, ja sind sie, der neue Schlagzeuger ist nicht mal volljährig! Sogar so jung, dass dem Album kein Booklet, sondern ein Fragekärtchen jedes Bandmitgliedes in Poesie-Album-Manier beiliegen. Beispiel gefällig? „Jemina, what's your favourite childhood cartoon?“ - „Teenage Mutant Ninja Turtles, of course!“ Of course, deswegen hat sie mit der Groupshout-Nummer „Bummer Time“ sogar einen Song an ihre vier grünen Jugendhelden geschrieben. Süß,oder? Der seichte Verdacht, dass sich hier jemand äußert kalkuliert des juvenilen Bandimages angenommen hat, ist da durchaus berechtigt, wenn sich aber eine fast die Ausmaße Art-Brut-scher Banalität annehmende Textzeile wie „Eating pizza is really great...“ dann aber gleich auf „... and so is destroying everything you hate“ reimt, meldet sich die Band wieder auf der makaberen Friedhofsparty zurück, auf der inzwischen auch die Überreste von Otto am Rumspringen sind. Und die haben nicht mal mehr Beine! Also, das Mindestmaß an Eigeninitiative : Schokotorte schnappen und ab ins Getümmel!
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