Rezension

Balthazar

Rats


Highlights: Later // Any Suggestion // Lion's Mouth (Daniel)
Genre: Indie // Folk
Sounds Like: Arcade Fire // Grizzly Bear // Devendra Banhart

VÖ: 12.10.2012

Wie viele Indie-Bands kennt man so aus Belgien? Welche Arten an Musik sind aus dem kleinen, gespaltenen Land überhaupt so bekannt? Nicht so viele, und schon gar kein richtig guter Indiefolk. Balthazar treten auf ihrer neuen Platte den kleinen, großen Gegenbeweis an, der von vorne bis hinten so richtig Freude macht und auch die eine oder andere Gänsehaut hervorzaubert. Aufgenommen haben die Fünf, angeführt vom Songwriter-Duo Jinte Deprez und Maarten Delvodere, "Rats" in Eigenproduktion, gemixt wurde das Ganze von Noah Georgeson in Los Angeles. Dieser hat bereits die Strokes oder Devendra Banhart abgemischt, und damit wird er mit Sicherheit auch Gefallen am Werk dieser Band gefunden haben.

Während die Band nämlich im geschickten Umgang mit ihren Instrumenten und Harmonien an Devendra Banhart erinnert, kommt Jintes Gesang ähnlich dröge daher wie der Julian Casablancas'. Seine Stimme hat eine angenehm zurückhaltende Coolness, lässig-melancholisch schiebt er die Texte über meist zurückhaltende, dafür ab und zu umso imposanter aufwogende Melodien zu im Takt bebendem Schlagzeug. Balthazar setzen abgeklärte Punkte der Gänsehaut, genau zu den richtigen Zeitpunkten. "Rats" ist kreativ und oft imposant.

Überhaupt ist dieses Album als Gesamtwerk genauso arrangiert, wie man es macht, wenn man es eben kann. Der Spannungsbogen lässt den Hörer nicht los und führt ihn bis zum wundervollen Finale "Any Suggestion". "Sides" ist nur das schöne, lässige Fadeout, um sich mit dem Album zu verabschieden, und das ist auch nötig. Eigentlich findet sich auf "Rats" kein einziger wirklich schwacher Song zwischen vielen sehr starken. Bravo, Balthazar! Richtig gute Musik zu machen, ist die eine Sache. Ein richtig gutes Album daraus zu basteln, ein Gesamtkunstwerk, ist in Zeiten digitaler Medien eine oft unterschätzte Kunst, die von den Belgiern schönerweise scheinbar sehr ernst genommen wird.

Was anfing als fünf herumexperimentierende Freunde, ist eine bewundernswerte Band geworden, die so gar nicht nach belgischer Provinz klingt. Überhaupt: Wenn so eine gute Band aus Belgien kommt und so weitermacht, dann wird man vielleicht bald gespannt aufhorchen, wenn man von Musik aus dem kleinen Beneluxland hört, und nicht verdutzt sein.

Daniel Waldhuber

Sehen


"The Oldest Of Sisters" im Stream

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.