Rezension

Amen Dunes

Freedom


Highlights: Miki Dora // Believe // L.A.
Genre: Classic Rock // Indie // Psychedelic Folk
Sounds Like: The War On Drugs // Arcade Fire // The Doves // Neil Young

VÖ: 30.03.2018

Ist dies nun endlich der große Durchbruch? Damon McMahon positioniert sich für „Freedom“ vorahnend schon einmal vorsichtig auf dem Plattencover. Seht her, da bin ich! Zwar schaut der New Yorker von dort nicht so provozierend selbstsicher herunter wie es ein gewisser Liam Gallagher, zuletzt geschehen auf dessen Solo-Debüt, immer noch am Besten kann, sondern sein Blick gleitet seitlich, eher zweifelnd, zögernd zu Boden.

Wer das musikalische Schaffen seines Projekts Amen Dunes bislang verfolgt hat, dürfte sich angesichts dieser Konfrontation dennoch wundern, passt sie doch nicht so sehr zu dem Bild, das McMahon mit seinem psychedelischen Folk-Rock bot. „Freedom“ ist auch klanglich ein Schritt ins Rampenlicht. Auf ein gut bekömmliches Maß reduziert wirken die verhallt-vernebelten Arrangements früherer Zeiten und es treten nun eine neue Klarheit und Grooviness auf. McMahons Kompositionen bedienen sich nun eines breiteren Soundspektrums, das mit dessen schüchterner, stotternder, teils jedes Wort einzeln ausspuckenden Stimme konterkariert.

So entsteht dann unter dem Strich so etwas wie Classic Rock, der jedoch ähnlich wie bei Adam Granduciels äußerst erfolgreichen War On Drugs nicht altbacken, sondern frisch klingt, da hier jemand seine ganz eigene musikalische Sozialisation mitbringt und diese auch nicht vollständig abstreift. Dafür ist „Freedom“ eine zu emotionale Angelegenheit, denn das Album entstand über drei Jahre unter dem Einfluss einer schweren Krebserkrankung von McMahons Mutter. So singt dieser zu Beginn des starken und zentral platzierten „Believe“: „when I was a kid I was afraid to die, but I growed up now".

„Freedom“ kommt mit viel Schwung daher, lässt sich von einer Brise Synths treiben („Blue Rose“ oder „Time“), geht an manchen Stellen unter die Haut („Freedom“) und wird sicherlich sehr viel mehr Menschen erreichen, als es das überwältigende, aber eigentlich unerreichbar grandiose Vorgänger-Album „Love“ vermochte. Denn an manchen Stellen wird es eingängig wie nie zuvor. Etwa in dem clever arrangierten „Calling Paul The Suffering“, in dem sich ein infektiöser Rhythmus zunächst auf das Piano, dann den Bass und schließlich auf die Gitarre überträgt. Oder im folgenden „Miki Dora“, das wie zwei Oktaven tiefer gestimmter Surf-Rock klingt. Das letzte Stück „L.A.“ beginnt hingegen unscheinbar und entwickelt sich erst im Verlauf, von Bassline und Drums getrieben, zu einem epischen Abschluss. Damit steht „L.A.“ exemplarisch für Amen Dunes’ fünftes Album „Freedom“, das insgesamt etwas Zeit braucht, um sich zu entfalten, dann jedoch auf vielen Ebenen zu begeistern weiß.

Jonatan Biskamp

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Video zu "Miki Dora"
Video zu "Blue Rose"

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