Rezension

Aidan Knight

Small Reveal


Highlights: Creatures Great & Small // Margaret Downe
Genre: Singer-Songwriter // Experimental Folk
Sounds Like: Said The Whale // Meursault

VÖ: 28.03.2014

Ritter sind tapfere Alleinstreiter. Sie beraten sich vielleicht in großer Tafelrunde und besprechen planbare Angriffe gemeinsam, doch wenn es hart auf hart kommt, ist sich jeder selbst der nächste und schwingt sein Schwert ganz allein bis in die Arme der zu rettenden Jungfrau. Am Ende kann sie ja doch nur einer bekommen – nämlich der Tapferste, der Stärkste, der Unerschütterlichste von allen.

Aidan Knight ist da anders. Er gibt der fünfköpfigen Band zwar seinen Namen, doch das ist auch schon das Einzige, womit er sich in die Riege der Einzelkämpfer einreihen könnte, denn seit seinem ersten Album „Versicolour“ ist viel passiert. So betont der 27-jährige Kanadier heute, wie dankbar er für die Unterstützung seiner Freunde ist: „As someone who's worked primarily on his own up until this point, I'm so glad that my best friends are the ones I can share and learn from now“, sagt er. Und die fünf zusammen ergeben eine wirklich gut funktionierende Tafelrunde, in der Ideen geteilt und tiefgehende Songs voller Instrumentvielfalt geschrieben werden; im Fall der aktuellen Ideenfindung schotteten sie sich sogar von der Außenwelt ab, igelten sich in den Tiefen des kanadischen Waldes ein und heraus kam das wunderbare Album „Small Reveal“ – in Kanada sogar schon im Oktober 2012, hierzulande als Frühlingsimport.

In „Small Reveal“ knüfen Aidan Knight an die Intrumentalgewalt aus „Versicolour“ an und legen sogar noch eine Portion drauf. Gleich zu Beginn des Albums wird ab der Mitte des Songs aus „Dream Team“ quasi ein ganz neues Stück. Wo zunächst Knights seichte, fast hauchende Stimme recht Singer-Songwriter-mäßig von Streichern und der Akustikgitarre begleitet wird, weicht das Textliche in der Mitte des Siebenminüters dem Instrumentalen und der Hörer wird von einer klanglichen Welle aus dominanten E-Gitarrenriffs, Drums und Synthies wachgespült. Von Anfang an ist also klar, dass Aidan Knight weniger folkig sind, als man es von „Versicolour“ gewohnt war. Der Track „Singer-Songwriter“ macht, wie der Name schon sagt, hier eine Ausnahme, und auch das wunderschöne „Margaret Downe“ klingt nach Aidan Knight, dem Solokünstler. Anders als bei anderen Liedern, die zusammen mit Bandkollegin Julia Wakar gesungen sind, hört man hier tatsächlich nur Knights ruhige Stimme, eine Akustikgitarre und rührende Textzeilen über eine Liebe, die erst an die Untreue und schließlich den Tod verloren geht. „Margaret in the morning / Sleeping on her side / Strolls into the waves / Of an ever rising tide.“

Bei all dem Tiefgang und den großen Intrumentalpassagen verliert sich die Band leider ab und zu. Einerseits findet man ein großartiges Outro wie in „Creatures Great & Small“, das vielleicht an Lord Huron erinnert, andererseits wird es einige Male zu viel der Harfen und Trompeten. „You Will See The Good In Everyone“ beispielsweise geht mit seinem eintönigen, fast drei Minuten langen Outro schon über die Grenze des Genervtseins hinaus und zu allem Überfluss (im wahrsten Sinne des Wortes) hat die Band zusätzlich noch drei reine Instrumentalstücke auf das Album gepackt. Etwas zu gewollt tiefgründig, kann man meinen, vielleicht ging an einigen Stellen einfach die Ideenfindung mit der Tafelrunde durch.

Wie dem auch sei: Aidan Knight ist kein einsamer Ritter in blanker Rüstung und will auch keiner sein, weder er noch seine vier Bandkollegen. In ihrer Musik transportieren sie aufrichtige Gefühle vom Versagen und Verlieren und davon, sich selbst in solchen Momenten gegenüberzustehen – ganz ohne Tapferkeit, Stärke und Unterschütterlichkeit. „When all of the edges / Aren't always straight / Will you withstand it / Or let it break.“

Doreen Stoecke

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Video zu "A Mirror"
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"Dream Team" auf Soundcloud

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