Rezension

Aidan Knight

Each Other


Highlights: All Clear // Funeral Singers // You Are Not Here
Genre: Singer-Songwriter
Sounds Like: Patrick Watson // I Am Oak // Kim Janssen // Sufjan Stevens

VÖ: 22.01.2016

Persönlich, authentisch und echt soll Musik klingen. Und wie viele unserer Lieblingsalben und Songs zeichnen sich genau dadurch aus, dass sie uns das Gefühl geben, verstanden zu werden, dass da noch jemand ist da draußen, der genau so fühlt wie man selbst und es schafft, einem das glaubhaft zu vermitteln. Aber wieso machen Musiker das überhaupt für die Öffentlichkeit, wieso teilen sie ihr Innerstes mit der Außenwelt und haben dann auch noch das Bedürfnis, es einer Ansammlung fremder Menschen von einer Bühne aus vorzutragen? „Each Other“, das dritte Album des Kanadiers Aidan Knight, lässt einen über solche Fragen wieder einmal nachdenken.

Aidan Knight vergleicht das Songwriting für sein neues Album nämlich selbst mit dem Schreiben von Tagebucheinträgen, in denen er persönliche Erlebnisse und Gedanken festhält. Dass es durchaus auch Spaß macht ihm dabei zuzuhören, liegt in erster Linie an der Musik selbst und der Sorgfalt in der Inszenierung und der Ausarbeitung von Details, dem harmonischen Zusammenspiel, dem Gespür für Spannungsbögen und dem Mut, die Songs nicht immer nach demselben Schema aufzuziehen. Große Momente bietet einem „Each Other“ immer wieder, wenn man sich daran gewöhnt hat, dass alles eher in einem kleinen Rahmen passiert und Knight und seine Band keine Freunde theatralischer Gesten sind.

Dennoch fühlt man sich beim Hören von „Each Other“ ein bisschen unwohl, fast so, als ob das alles einen eigentlich gar nichts anginge und man gegen Aidan Knights Willen heimlich in seinem Tagebuch mitliest. Das macht sein Drittwerk sympathisch, weil es einem das Gefühl gibt, dass das alles mit Selbstdarstellung nichts zu tun hat. Doch zugleich hat es schon fast etwas Schmerzhaftes an sich, Zeuge davon zu werden, wie er seine Introvertiertheit zu überwinden versucht und sich selbst nicht wirklich wohl dabei fühlt. Doch ist das nun gut oder schlecht? Das muss wohl jeder für sich entscheiden, am besten beim Hören von „Each Other“, das einen so wunderbar zum Grübeln einlädt.

Kilian Braungart

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