Interview

Trip Fontaine


Was haben Mario Basler und H.P. Baxxter gemeinsam? Diese und andere Fragen zu Trip Fontaines Drittwerk "Lambada" beantworten wir gemeinsam mit Bassist Flo und Schlagzeuger Basti.

Hallo! „Lambada“ ist nun ja schon eine Weile draußen. Seid ihr zufrieden mit dem Feedback bisher?

Flo: Wir hatten ja keine Erwartungen. Also: Ja. (lacht) Wär natürlich schon blöd, wenn jetzt das Label sagen würde: „Wir finden das scheiße“. Die meisten Reviews waren auch positiv. Oder meinst du die Verkäufe?

Naja, die sind heutzutage eh nicht mehr so aussagekräftig, oder?

Flo: (lacht) Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, wie die Verkäufe bisher liefen.

Basti: Laut Renke (vom Label Zeitstrafe, Anm. des Autors) laufen die aber ganz ok.

Flo: Wir bekommen meistens sowieso nur mit, was wir selber auf den Shows verkaufen.

Ich finde in Reviews immer interessant, dass scheinbar immer betont werden muss, dass eine abwechlungsreiche und originelle Band wie ihr aus Deutschland kommt.

Flo: Ich frag mich immer, wieso die denken, dass es so etwas speziell Deutsches an Musik gibt, von deutscher Sprache abgesehen. Was erwarten die denn? Was ist denn typisch Deutsch?

Ich glaube, es überrascht viele, wenn qualitativ gute Bands aus Deutschland kommen.

Flo: Dann ist ja gerade die Frage, was Qualität ausmacht. Ich könnte dir auch einen Haufen Bands aufzählen, die zeigen, dass nicht nur Scheißbands aus Deutschland kommen. Ich hab aber eh keinen Bock, mich mit Bands dahingehend zu vergleichen, wer „besser“ ist, und schon gar nicht, weil sie auch aus diesem Land stammen. Da fehlen mir auch die Maßstäbe.

Wirken Bands oft einfach interessanter, wenn sie beispielsweise aus den USA kommen?

Flo: Naja, es ist ja gar nicht so doof zu sagen, dass eine ausländische Band schon jemanden überzeugt haben muss, wenn sie hier auf Tour gehen kann. Die Bands aus dem Vorort hier hat man ja auch schon tausendmal gesehen. Aber ist deutschsprachige Musik nicht gerade sowieso ziemlich angesagt? Zumindest herrscht ein immer positiveres Verhältnis zur deutschen Sprache, in der man sich ausdrücken kann. Ich weiß aber auch nicht, ob Leute in den USA vielleicht gerade zu unseren Shows kommen würden, weil wir aus Deutschland sind.

Basti: Es ist ja auch spannennd, wenn eine Band aus dem Ausland kommt. Schon verständlich, interessiert zu sein, wenn jemand meint, dass es sich lohnt, die rüberzuholen. Man weiß bei kleineren Bands ja oft auch einfach nicht, wann die Band wiederkommt. Das spornt mich oft noch an, auf ein Konzert zu gehen. Ich kenne aber auch niemanden, der explizit nicht auf ein Konzert gehen würde, weil die Band von hier kommt.

Was auf mich ziemlich „typisch Deutsch“ wirkt, ist euer Albumcover. Hat etwas von deutscher Spießigkeit.

Flo: Ja, das hat Timos (Gitarrist, Anm. des Autors) Freundin im Urlaub auf Usedom geschossen. Das haben wir einfach mal als Cover genommen.

Ihr äußert ja gerne Kritik am Coolness-Normsystem in der ganzen Hardcoreszene, beispielsweise in „New Sweater“. Sollte das Cover auch betont uncool wirken?

Flo: Naja, es sollte auf jeden Fall nicht typisch nach „Lambada“ aussehen. Da einfach eine Tänzerin hinzustellen, hätte etwas plump gewirkt.

Basti: Ich weiß aber, was du meinst, wenn du auf „New Sweater“ anspielst. Einfach persiflieren, was jeder erwartet.

Das tut ein Albumtitel wie „Lambada“ ja auch etwas. Wie seid ihr denn auf den gekommen?

Basti: Da kam Timo irgendwann mit an. Wie das so ist, wenn man zusammen Auto fährt und herumblödelt, meinte er eines Tages, dass „Lambada“ ein super Plattentitel wäre. Erst fanden wir das alle doof, aber dann war's irgendwann der Arbeitstitel und wir stellten immer nur Fragen wie „Wann ist 'Lambada' endlich fertig?“ Da mussten wir dann auch konsequent sein, wenn jeder die Platte sowieso die ganze Zeit so nennt.

Bezüglich des Persiflierens von Erwartungen, das du ja auch schon erwähnt hast, fand ich eine schöne Interpretation, das Mario Basler, nach dem ja ein Lied benannt ist, auch jemand ist, dem Erwartungen und Regeln immer scheißegal sind.

Flo: Er kommt ja in dem Text vor – weil er gröhlt. Er wirkt wie ein Gröhltyp, auch, wie er immer Kippchen raucht, da wirkt er wie so eine kernige Gestalt. Im Text kommen ja auch H.P. Baxter und Captain Jack vor, und ich kann mir vorstellen, wie die sich in einer Kneipe treffen und zusammen abhängen.

Und gröhlen.

Flo: Ja, sie singen in dem Lied halt. Aber nicht so schön. Das ist eben die Idee.

Sie singen da ja ein Geburtstagslied. Wie würde das denn klingen?

Flo: Ach, keine Ahnung, das mussten wir ja nicht schreiben (lacht). Ist 'ne Metapher, ne? (zwinkert)

Habt ihr denn Gröhltypen bei euch in der Band?

Flo: Basti gröhlt öfters mal im Auto die Musik mit, wenn er fährt.

Basti: Das stimmt. Ich muss es zugeben.

Flo: Auch Wegbeschreibungen. Er gröhlt wirklich sehr oft, wenn er Auto fährt.

Der Mario Basler der Band also?

Basti: Sozusagen. Ich spiel auch ziemlich gut Fußball.

Und welchen Spielern ähnelt der Rest von euch?

Basti: Alex (Multi-Instrumentalist) wäre Franz Beckenbauer. Flo Manuel Neuer. Klaus Edson Braafheid.

Klaus (ruft von der anderen Seite des Raums): Ey, ich bin Brasilianer! (alle lachen) Aber ohne Jinga.

Flo: (lacht) Das geht leider nicht. Naja, und Timo ist Berti Vogts. Der ist eisenharter Verteidiger, ich hab mit dem zusammen gespielt. Hatte auf jeden Fall die Blutgrätsche drauf.

Basti: Ich hab jetzt Edson Braafheid gesagt, aber ich meinte den Typen, der für Kolumbien gespielt hat. Valderama.

War das nicht der, der nach der WM 1994 erschossen werden sollte?

Flo: Ne ne, ein anderer wurde erschossen, weil er ein Eigentor geschossen hatte.

Basti: Das könnte Klaus auch passieren, wenn er das macht.

Hätten wir das also auch geklärt – auch wenn Timo wenige Minuten später in den Backstageraum stürmte und betonte, dass alle doch genau wüssten, dass er Guido Buchwald sei, er nun keinen Bock mehr auf die Band habe und diese verlassen würde. Passierte dann aber doch nicht – Gott sei Dank, wäre schade um eine der spannendsten Bands, die sich ein „-core“-Label aufdrücken lässt. Egal, ob aus Deutschland oder sonst wo her.

Jan Martens

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Rezension zu "Lambada" (2010)
Rezension zu "Dinosaurs In Rocketships" (2008)

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