Interview

Porcupine Tree


Trotz seltsamer Spielzeit konnten Porcupine Tree beim Southside mehr Leute begeistern, als es die Band wohl selbst für möglich gehalten hatte. Kein Wunder also, dass ein sichtlich gut gelaunter Richard Barbieri nicht nur einen Drink ausgab, sondern auch unsere Fragen gerne beantwortete.

Euer neues Album heißt "Fear Of A Blank Planet". Ist das eine Anspielung auf Public Enemys "Fear Of A Black Planet"?

Richard Barbieri: Also inhaltlich hat es keinen Bezug zu Public Enemys Werk. Im Englischen nennen wir das einen Pun. Dabei verändert man einfach ein Wort innerhalb eines Satzes, um ihm dadurch einen anderen Sinn zu geben. Aber das der Albumtitel Pate für unsere Version des Satzes stand, stimmt natürlich. Steven kam auf die Idee, wodurch auch immer, und so hat sich das einfach ergeben.

Ich finde, die Platte hört sich sehr viel düsterer in ihrer Grundstimmung an, als die Vorgänger. War das konkret eure Absicht?

Richard: Nein, nicht wirklich. Eigentlich waren wir auch schon immer eine düstere Band, aber du hast schon Recht, dass es dieses Mal noch einen Schritt weiterging. Ich denke aber nicht, dass die Platte härter ist, wie ich häufig gelesen habe. Dafür existiert auf dem Album auch viel Freiraum, in dem sich die Härte ausbreiten kann. Warum vielen das Album härter vorkommt, liegt wohl daran, dass die beiden Vorgänger für unsere Verhältnisse geradezu poppig waren. Aber wir sind nun mal auch keine Band, die fröhliche Musik macht (lacht)

Warum eigentlich nicht?

Richard: Es gibt einfach schon genug Bands da draußen, die darüber singen, wie es ist verliebt zu sein, wie toll die Bäume aussehen und wie super doch alles ist. Alle Themen, die uns interessieren, haben aber eher eine traurige oder düstere Begleitnote.

Für dich ist also Kunst, die mit einem negativen oder traurigen Thema umgeht also intensiver oder wichtiger als andere?

Richard: Ja, würde ich schon so behaupten. Ich kann nicht einmal sagen, warum dem so ist. Vielleicht liegt es einfach an der Faszination, die sie auf viele Menschen ausübt. Es ist doch so, dass wir uns immer gewissen Herausforderungen stellen müssen, damit wir als Mensch wachsen. Diese Herausforderungen sind nun mal meistens an negative Erfahrungen oder Erlebnisse gekoppelt. Daher auch die intensivere Bindung.

Kannst du etwas zu den Einflüssen sagen, die das Album so haben klingen lassen, wie es jetzt letztendlich ist?

Richard: Steven hat sich diesmal sehr von einigen Metalbands inspirieren lassen. Er hat sehr viel Opeth und Meshuggah gehört und ich denke, man hört die eine oder andere Referenz auch gut heraus. Besonders bei "Anesthetize" kann man einige Elemente dieser Bands entdecken. Aber man kann auch nicht sagen, dass jetzt nur diese Bands uns beeinflusst haben. Ich finde Musik, die man so tagein, tagaus hört ist generell immer ein Einfluss auf das nächste Album. Deshalb kann ich auch gar nicht so viele andere Bands jetzt aufzählen, da ich die Meisten wohl schon wieder vergessen habe.

Wie nehmt ihr denn einen Song wie "Anesthetize" auf? Wo kommt man da zu einem Ende?

Richard: Ja, das ist sehr schwierig, weil wir, wenn wir einen Song arrangieren, nie an ein Ende oder einen konkreten Ablaufplan denken. So lange er interessant bleibt und wir weitere Ideen haben, so lange wird an einem Song herumgewerkelt. So entstehen halt dann schon mal über 15minütige Songs. Weißt du, es ist uns auch noch irgendwo wichtig, dass der Hörer auch nach dem zwanzigsten Durchlauf der Platte noch etwas entdecken kann. So bleibt die Musik auf Dauer spannend und hält sich länger.

Es gibt einige Gastauftritte auf dem Album. Wie kam es zu den einzelnen Kollaborationen?

Richard: Steven ist ein riesiger Fan von Alex Lifeson (Rush) und ich von Robert Fripp (King Crimson). Die Beiden wissen das auch und sind glücklicherweise auch begeistert von unserer Musik. So mussten wir sie nicht einmal fragen, ob sie mitwirken wollten. Die kamen von ganz alleine auf uns zu und so hat sich das dann ergeben.

Nach 18 Jahren Bandgeschichte kann man schon einmal zurückblicken. Gibt es für dich irgendwelche Songs oder Alben von euch, mit denen du aus heutiger Sicht nicht mehr zufrieden bist?

Richard: Es ist ja so, dass Steven die ersten Sachen alleine aufgenommen hat. Der Rest der heutigen Band hat da einfach keinen Bezug zu dieser Musik. Deshalb mögen wir auch diesen Kram nicht so sehr, weil wir uns da nicht richtig mit identifizieren können. Wir spielen deshalb live auch keine Songs aus der Zeit. Es würde sich anfühlen, als ob wir fremde Songs covern würden.

Steven hat einmal gesagt, dass es ein großer Traum für ihn wäre, Filmmusik zu komponieren.

Richard: Ohja! Ich glaube, das wäre für die gesamte Band ein großes Ereignis. Ich denke sowieso, dass unsere Musik prima in einige Filme reinpassen würde. Wenn ich mir manchmal Filme anschaue, ertappe ich mich da häufiger mit diesem Gedanken.

Welche Art Filme wäre denn passend zu eurer Musik?

Richard: Hm... Einer dieser düsteren, völlig wirren Filme, bei denen man nicht wirklich durchblickt, aber trotzdem ein beklemmendes Gefühl hat. David Lynchs Filme wären dafür natürlich prädestiniert! Weißt du, es ist in England verdammt schwierig Filmmusik zu machen, weil es im Grunde zwei oder drei große Namen gibt, die sämtliche Filme vertonen. Die achten auch sehr darauf, dass da erst gar keine Konkurrenz durch Bands entstehen kann.

Mogwai haben das aber zum Beispiel geschafft!

Richard: Ja, ein grandioser Soundtrack, obwohl etwas komisch... Mogwai´s Musik und Fußball...Irgendwie passt das doch nicht oder?

Vielleicht haben sie deshalb den Zuschlag bekommen, weil das überhaupt niemand machen wollte...
Was steht bei euch jetzt noch so an?

Richard: Wir spielen jetzt noch ein paar Festivals. Im September oder Oktober erscheint dann eine EP mit Stücken, die es während der Aufnahmesessions zu dem neuen Album nicht drauf geschafft haben. Und schließlich kommen wir im Spätjahr noch mal auf Europa Tour. Sicher auch wieder einige Daten in Deutschland!

Benjamin Köhler

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