Interview

Dry The River


Dry The River aus London sind gerade einer der heißesten Newcomer und das, ohne bisher überhaupt ein Studioalbum rausgebracht zu haben. Beim Haldern Pop Festival sprachen wir mit Bassist Scott Miller und Gitarrist Matthew Taylor über die lange Wartezeit und die bisherigen Erfahrungen im Musikbusiness.

Ok Jungs, euer finales Band-Line-Up steht eigentlich schon seit Juni 2009. Warum müssen wir immer noch so sehnsüchtig auf euer Debüt-Album warten?

(beide lachen)

Matthew Taylor: Wir nehmen uns eben gerne Zeit (lacht).

Scott Miller: Ja, du hast recht. Es dauert jetzt schon ziemlich lange. Im ersten Jahr hatten wir nicht genügend Songs beisammen, um ein ganzes Album damit zu füllen und danach haben wir so viel getourt, dass für die Aufnahmen keine Zeit blieb. Außerdem übten wir alle bis letzten November auch noch richtige Jobs aus, die uns davon abhielten, ins Studio zu gehen. Erst danach hatten wir dann das Geld zusammen, um sowohl die Miete zu bezahlen, als auch die Band als Fulltime-Job wahrzunehmen. Auf einmal war dann die nötige Zeit da, die Aufnahme-Sessions einzuschieben und ins Studio zu gehen. Seit Februar sind wir jetzt ständig damit beschäftigt, aber es sind trotzdem weiterhin noch ein paar Verbesserungen nötig, um das Ganze abzuschließen. Wir hoffen, dass das Album Anfang 2012 veröffentlicht werden kann.

Habt ihr dafür schon einen Titel ausgesucht?

Scott: Nein, daran arbeiten wir noch. Erst mal alle Songs fertig aufnehmen und mixen und dann geht es an den Albumtitel.

Verratet mal ein klein wenig. Kann man einen ähnlichen Sound wie auf euren bisherigen EPs erwarten?

Scott: Hmmm... Ich denke, das Album klingt schon ein wenig anders als die EPs. Wir haben versucht, für das Album ein wenig mehr unseren Live-Sound einzufangen. Auf der Bühne spielen wir auch die Songs der EPs ein wenig lauter, ein wenig rauer, ein wenig aggressiver.

Matthew: Ja, vor allen Dingen die Gitarren sind heavier. Das wird auch auf vielen der neuen Songs zu hören sein.

Scott: Genau. All das haben wir versucht, bei den Aufnahmen mehr in den Vordergrund zu rücken und hoffentlich kann man das dann auch nächstes Jahr so heraushören.

Habt ihr eigentlich so etwas wie Druck verspürt während der Aufnahmen? Ich meine, da gab es ja sehr viele überschwängliche Artikel in den letzten Monaten über euch, immer verbunden mit hohen Erwartungen an euer Debüt?

Scott: Ja, es gab tatsächlich diesen Druck, das kann man nicht leugnen. Aber wir haben einfach versucht, diesen so gut es geht zu ignorieren.

Matthew: Ich denke, das ist auch einfach das Beste, was man tun kann: Den Druck ignorieren und sich nur darauf fokussieren, ein gutes Album zu machen. Uns ist bewusst, dass man es nicht allen recht machen kann, daher haben wir einfach versucht, unser Bestes zu geben. Ich denke, solange es meiner Mutter gefällt, ist alles in Ordnung! (lacht)

Scott: Hahaha! Das ist unser Motto! Solange unsere Mütter Fans von unserer Musik sind, haben wir alles richtig gemacht!

Denen hat sicher auch gefallen, dass ihr Peter Katis als Produzenten gewinnen konntet. Der ist ja eine ziemliche Hausnummer. Wie kam denn der Kontakt zustande?

Scott: Wir hatten eine Wunschliste von möglichen Produzenten erstellt...

Matthew: ...und Peter Katis war auf dieser Liste ganz weit oben. Wir mögen im Prinzip alle Bands, mit denen er bisher zusammengearbeitet hat: The National, Jons&iaigu;, Interpol, The Twilight Sad... Die Namen muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen! Glücklicherweise hat es sofort mit ihm geklappt. Er war der Erste auf der Liste und sagte sofort zu.

Das hört sich verdammt einfach an.

Matthew: Ohja, das war ein Kinderspiel! (lacht)

Scott: Er war so freundlich, unsere Musik anzuhören und wir waren so freundlich, mit ihm zu arbeiten. Passt doch! (lacht)

Sprechen wir doch mal genauer über eure Musik. Die ist ja sehr emotional und packend. Beabsichtigt ihr das bewusst oder geschieht dies einfach?

Scott: Schwierig zu sagen. Ich meine, ich liebe es, wenn die Menschen, die unsere Musik hören, Emotionen mit unseren Songs verbinden. Das ist auch das Ziel, das wir als Band verfolgen.

Matthew: Ich denke auch, dass es darum bei der Musik an sich geht. Man will ja keine Menschen zu Tode langweilen.

Wobei das ja wiederum auch eine Emotion ist.

Matthew: Stimmt auch wieder.

Scott: Wir wollen einfach so passioniert wie möglich an unsere Musik herangehen, so dass dies für die Hörer greifbar wird und sie Emotionen daraus ziehen können. Es ist also eigentlich definitiv ein beabsichtigter Prozess, um deine Eingangsfrage zu beantworten.

Wie fühlt es sich eigentlich an, so ein "erstes" Album aufzunehmen?

Scott: Es ist verdammt aufregend und ein tolles Gefühl! Aber weißt du was? Frag mich das noch mal, wenn das Album draußen ist! (lacht) Im Moment will ich nur noch, dass das verdammte Ding endlich erscheint.

War es für euch eine andere Erfahrung als erwartet?

Matthew: Ohja. Wenn man da nur mal die Aufnahmen betrachtet... Wir haben bisher immer nur einzelne Songs oder mal zwei, drei Stücke für eine EP aufgenommen. 15 Songs in sechs Monaten sind da was ganz Anderes. Das ist viel stressiger und intensiver, als man sich das vorstellen kann. Wir haben teilweise an vier oder fünf Songs parallel gearbeitet. Da wird man manchmal schon etwas verrückt bei.

Scott: Dazu muss man sagen, dass Matthew wirklich jeden verdammten Tag im Studio abhing. Selbst wenn mal nur die Violine dran war oder der Gesang, musste der Kerl immer einen prüfenden Blick drüber werfen. (allgemeines Gelächter)

Matthew: Ich weiß, ich weiß!

Scott: Ich muss aber auch gestehen, dass ich diese Aufnahme-Sessions wirklich genieße. Live kann man sich selbst ja nicht wirklich hören und im Studio hat man die Möglichkeit, Stück für Stück bestimmte Passagen zu wiederholen und zu verbessern. Ich mag das.

Vielleicht ändert sich das bald!

Scott: Vielleicht sogar sehr bald, da hast du recht!

Matthew: Mir hingegen hängt das Studio jetzt schon zum Hals raus! (beide lachen)

Wenn ihr mal auf die vergangenen zwei Jahre zurückblickt. Gab es da ein bestimmtes Ereignis oder eine bestimmte Erfahrung, wonach euch klar wurde, dass das jetzt wirklich ernst mit der Musik und eurer Band wird?

Matthew: Ja, da gab es bei ein paar Shows in London, zu denen wesentlich mehr Leute kamen, als wir uns vorher jemals erträumt hatten. Da wurde uns schlagartig klar: ok, es gibt da draußen tatsächlich einige Menschen, die unsere Musik wirklich cool finden.

Scott: Für mich persönlich war es der Moment, als ich unseren Song zum ersten Mal in England auf Radio 1 hörte. Ein Freund rief mich an und sagte mir, dass da gerade "Bible Belt" im Radio liefe und ich dachte mir nur: Wow, ich wusste nicht einmal, dass wir überhaupt im Radioprogramm dabei sind.

Könnt ihr überhaupt eure eigenen Songs im Radio hören? Viele Künstler hassen das ja regelrecht.

Scott: Ich hab zugehört! Aber nur zu dem, was der DJ am Ende zum Song zu sagen hatte! (lacht)

Jetzt, wo ihr es ins Radio geschafft und einen Vertrag mit eurem Label an Land gezogen habt: Was sind eure weiteren Ziele, die ihr mit Dry The River verfolgt?

Scott: Im Prinzip geht es immer nur darum zu leben, zu essen und vielleicht noch ein Haus zu haben. Alles andere ist doch eigentlich nur Bonus. Daher wollen wir einfach nur weiterhin unsere Musik machen und zwar so, dass wir davon leben können. Ganz simpel, aber was will man mehr?

Matthew: Von dem Tag an, an dem wir unsere früheren Jobs an die Nägel hingen, war genau das unser einziges Ziel. Von der Musik zu leben und damit glücklich zu sein.

Scott: Das ist ja auch genau das, wovon man als Kind immer träumt. In einer Rockband zu spielen und von einem Label gesigned zu werden. Bei uns geht es gerade auch erst richtig los. Bald touren wir in Australien, China und all den anderen Orten, an denen man schon immer mal sein wollte. Es ist noch alles so irreal, dass wir es gar nicht richtig fassen können. Wir genießen aber jeden einzelnen Moment davon und werden dies hoffentlich auch noch lange tun.

Video zu "No Rest":

Benjamin Köhler

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