Konzertbericht

Dry The River


An etwas, das funktioniert, sollte man nicht herumpfuschen. Punkt. Dry The River zeigen, dass das manchmal auch in der Musik zutrifft: "Alarms In The Heart" war, ebenso wie "Shallow Bed" zuvor, pompös, sakral, manchmal geradezu pathetisch. Gefiel in seinen emotionalen Ausmaßen nicht jedem – so manchem allerdings extrem gut. Wenn man so etwas auch live umsetzen kann – umso besser.

Vor allem scheint für die Briten nämlich auch das Motto "never change a winning Vorband" zu gelten: So gaben, wie bereits bei dem Auftritt in der Prinzenbar 2012, die zwei Bayern The Dope den Support und müssen sich höchstens die Kritik gefallen lassen, dass sie so manchem Hauptact wohl komplett die Show stehlen würden: Noise-Pop mit vielen spannenden Drehungen und Wendungen, der gerade in seinen instrumentalen Passagen am besten funktioniert. Leute, Hamburg hat so viele Clubs – kommt gerne mal alleine wieder!

Auch bezüglich ihrer eigenen Show wissen Dry The River, was am besten klappt – das heißt nun nicht, dass sie ihre eigenen Auftritte kopieren würden, sondern dass sie wissen, welche ihrer ältesten Lieder immer noch an den dramaturgisch wichtigsten Punkten eines Auftritts funktionieren: Das epische "New Ceremony" darf direkt nach dem Opener "Alarms In The Heart" das Publikum in Stimmung bringen und das ähnlich geartete "No Rest" den Rausschmeißer vor der Zugabe geben. Andere Highlights wie "Lion's Den", "Everlasting Light" oder "Bible Belt" sind ebenfalls gleichmäßig in das Set eingestreut. Auch die Tradition, "Shaker Hymns" ohne Mikrofon innerhalb des Publikums zu spielen, wird zu Beginn der Zugabe aufgegriffen – was angesichts eines gerade zu Beginn des Auftritts unangenehm quasselfreudigen Publikums hervorragend hinhaut.

Was diese Show dann aber doch von der ersten Hamburg-Headliner-Show oder auch nur den ersten Gigs dieser Tour unterscheidet, sind die trotz eines gar nicht besonders warmen Tages doch recht hohen Temperaturen im "neuen" Molotow. Diese werden auch von Sänger Peter Liddle als Entschuldigung dafür genannt, dass Teile der Band zwischendurch einmal eine kurze Pause einlegen müssen, was angesichts der Spielweise von Dry The River aber auch zu vertreten ist: Denn trotz allen Pathos' und Pomps in den Songs gibt es kaum eine Folkrockband, die mit solcher Inbrunst spielt wie die Londoner, deren Sänger soviel Leidenschaft in seinen Gesang steckt und deren Gitarrist und Bassist auch mal mit soviel Energie in die Saiten hauen können, dass der Geist des Punk selbst in einer so untypischen Band durchscheint. Auch das ist mit dafür verantwortlich, dass Dry The River live mittlerweile so eine Hausnummer sind. Auch hier gilt: Bitte nicht daran herumpfuschen.

Jan Martens

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Rezension zu "Alarms In The Heart" (2014)
Rezension zu "Shallow Bed" (2012)
Interview (2011)

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