Interview

A Whisper In The Noise


A Whisper In The Noise sind so schüchtern, dass sie Interviews in voller Bandstärke geben wollen. Brauchen sie aber doch eigentlich gar nicht sein, denn nicht nur bei uns war "Dry Land" Album der Woche und eines der Schmuckstücke des vergangenen Jahres. Was West Thordson (Gesang, Gitarre, Klavier), Matt Irwin (Drums), Chris Quinn (Bass) und Hannah Murray (Violine) zu ihrem Durchbruch zu sagen haben. lest ihr hier.

Das neue A-Whisper-In-The-Noise-Album ist jetzt schon eine ganze Weile auf dem Markt. Seid ihr zufrieden mit dem Verkauf und den Rückmeldungen der Medien und der Fans?

Matt Irwin: Ohja, wir sind sehr überrascht, wie gut das Album überall angekommen ist. Auch die schärfsten Kritiker haben uns dieses Mal nur positive Rückmeldungen gegeben. Die Verkäufe liefen auch gut. Besonders die Bandshirts gehen gut. Aber für deren Gestaltung haben wir uns auch besonders viel Mühe gegeben.

West Thordson: Die Shows laufen mal so, mal so. Wir haben in Locations vor gerade einmal 5-10 Leuten gespielt, aber auch schon auf richtig großen Festivalbühnen vor ein paar tausend Fans. Ich denke, das hat man als Band von unserem Status nicht so sehr in der Hand.

"Dry Land" klingt sehr düster und melancholisch und die Songs scheinen für mich einen sehr persönlichen Bezug zu haben. Wie viele der Texteinhalte beziehen sich auf persönliche Erfahrungen und woher nehmt ihr sonst noch eure Ideen für die Texte?

West: Ich würde sagen, nahezu alle Texte von mir gehen aus persönlichen Ereignissen hervor und du hast Recht: "Dry Land" klingt sehr düster, was zu einem Großteil wahrscheinlich auch an den recht schwarzmalerischen Lyrics liegt. Ich weiß auch nicht so genau, wie das zustande kommt. Jedes mal setze ich mich hin und versuche etwas Positives aufzuschreiben, aber letztendlich kommen dann doch lauter negative Dinge dabei heraus.

Matt: Vielleicht solltest du mal mit dem Vorhaben hingehen, negative Songs zu schreiben?

West: Ja Matt, vielleicht sollte ich nächstes Mal versuchen, Anweisungen zu schreiben, sich selbst umzubringen (lacht)

Für "Dry Land" habt ihr wieder mit Steve Albini zusammen gearbeitet. Wie seid ihr eigentlich an ihn herangekommen?

Matt: Der Shellac-Drummer Todd Trainer ist ein guter Freund von mir und so kam der Kontakt zustande. Das war vor ungefähr sechs oder sieben Jahren. Seither sind wir immer mit Steve in Kontakt geblieben und haben ihn schlussendlich einfach gefragt, ob er mit uns die neue Platte aufnehmen will.

Wie ist das so, mit einer Person wie ihm zusammenzuarbeiten?

Chris Quinn: Das war eine sehr interessante Erfahrung. Er weiß einfach alles. Er weiß, wie man was aufnehmen sollte, welchen Regler man wann verschiebt, was man lassen sollte... Ich glaube, sicherer bei dem, was wir tun, habe ich mich nie gefühlt, als bei diesen Aufnahmen.

West: Was die Produktion des Albums angeht, hat er mir als Songwriter der Band auch nie das Gefühl genommen, dass er jetzt alles in der Hand hat und er darüber entscheidet, was sich gut anhört und was nicht. Im Gegenteil... Es war vielmehr so, dass ich mich, nachdem alles fertig war und ich die Platte gehört habe, noch nie so stolz gefühlt habe, der Urheber dieser Songs zu sein.

Was sind denn eure liebsten Songs auf "Dry Land" und warum?

Chris: Ich denke, "Armament" gefällt mir am besten. Der Song repräsentiert das Album voll und ganz. Da dachte ich schon bei den Proben "Wow, der Song wird später alles weghauen!".

(alle stimmen zu)

Matt: Ähm, ich mag noch "Awaken To Winter" sehr gerne. Ich finde, da passiert am meisten. Finde den heute immer noch spannend zu spielen und zu hören.

West, du bezeichnest dich ja selbst als Songwriter der Band. Kannst du ein wenig darüber erzählen, wie du die einzelnen Songs von Fragmenten zu fertigen Kompositionen fertig stellst?

West: Nunja, ich bin nicht der klassische Songwriter, der sich in seine Kammer verkriecht und dort einsam seine Songideen ausheckt. Meine Rolle in der Band ist vielmehr, die einzelnen Bestandteile jedes Bandmitglieds zu einem Ganzen zusammenzufügen. Natürlich schreibe ich die Texte und die Pianoarrangements und liefere somit das Grundgerüst, aber ohne die Beiträge der Anderen würde mein Teil auch sehr fade daherkommen. Es läuft in der Regel so ab, dass wir zusammen in den Proberaum gehen, ich meine Ideen präsentiere und der Rest mir dann Vorschläge macht oder Ergänzungen anbietet. Ich höre mir das dann alles an und entscheide mich für die Dinge, die sich in meinen Ohren am besten anhören. Glücklicherweise waren das bisher auch meist die gleichen Meinungen, wie die von dem Rest der Band (lacht).

Ich denke, das Hauptinstrument bei euch ist das Piano. Wie kommt es, dass dieses Instrument einen solch hohen Stellenwert bei euch hat?

West: Ich glaube, das liegt hauptsächlich daran, dass es auch das Instrument ist, auf dem ich im Wesentlichen meine Songs schreibe.

Hannah Murray: Ich denke, auf dem Piano lassen sich die einzelnen Melodien auch besser zur Geltung bringen, da es die einzelnen Noten besser betont als beispielsweise Gitarren, auf denen man vieles über Riffs regelt. Es ist auch viel einfacher, Stimme und Piano miteinander zu kombinieren, finde ich.

Wohin wird die Musik von A Whisper In The Noise weiterführen? Habt ihr irgendwelche neuen kreativen Wege geplant oder Ideen, die nur darauf warten, angepackt zu werden?

Matt: Wir haben geplant, uns gleich nach dieser Tour an das nächste Album zu setzen. Es gibt auch schon viele Ideen und sogar fast fertige Songs, die wir unbedingt so schnell wie möglich ausarbeiten wollen. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein Album immer sehr danach klingt, was für Einflüsse die einzelnen Bandmitglieder während der Tourphase aufgeschnappt haben. Ich bin schon selbst sehr gespannt darauf, was das im Einzelnen sein wird.

Dann fragen wir doch mal in die Runde!

West: Also ich kann jetzt schon sagen, dass ich Unmengen an Sigur Rós, Low und ähnlichem Kram gehört habe.

Hannah: Ihr wisst ja, Klassik ist mein Ding...

Chris: Da ich der toughe Kerl bei uns bin, dürfte auch niemanden überraschen, dass ich viel hartes Zeug gehört habe.

Das hört sich nach einer interessanten Mischung an (alle lachen). Gibt es irgendwelche Musiker, mit denen ihr gerne zusammenarbeiten würdet?

West: Es gibt irgendwie niemanden, bei dem wir jetzt sagen: "So, mit dir wollen wir jetzt gerne was machen!" Das müsste sich schon alles irgendwie so ergeben. Natürlich gibt es viele Musiker da draußen, mit denen wir gerne mal Musik machen würden, aber ich finde solche Anfragen an Personen grundsätzlich nicht so gut. Andererseits, wenn Björk morgen fragen würde, ob sie auf dem neuen Album dabei sein kann, würden wir sicherlich auch nicht nein sagen. Was meint ihr?

Hannah: Du würdest doch zu keiner hübschen Frau nein sagen!

(alle lachen)

West: Stimmt!

Bevor es jetzt gleich los geht... Was macht für euch eine gelungene AWITN-Show aus?

Matt: Wenn das Publikum von unserer Musik gefangen ist. Wenn die Aufmerksamkeit und Begeisterung so richtig spürbar ist. Das kann auch einfach dadurch passieren, dass jemand mit geschlossenen Augen in der ersten Reihe steht.

Chris: Für mich macht eine gute Show aus, wenn ich selbst mein Umfeld nur noch kaum wahrnehme, weil ich in dieser Zone drin bin, die nur aus Musik besteht.

Hannah: Ich denke, eine Mischung aus beidem macht eine tolle Show aus.

Dann hoffen wir mal, dass es so sein wird. Vielen Dank für das Interview!

Benjamin Köhler

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Rezension zu "To Forget" (2012)
Rezension zu "Dry Land" (2007)

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