Festival-Vorbericht

Melt! Festival 2009


Höha, Schnella, Weida. Das aus den Reihen der Intro (mit)organisierte Melt!-Festival hat sich in den letzten Jahren bemüht, sich als Alternative zu den zwei großen deutschen Festival-Zwillingen zu etablieren. Positiv formuliert die Werbung das so: "Sein ... genreübergreifendes Line-up ... hat ein Top-Billing – ohne deshalb Charme und Independent-Charakter ein[zu]büßen. ... damit setzt das Melt! die Trends. ... Das Melt! ist groß, aber klein.". Realistisch betrachtet, versuchen hier Musikliebhaber mit allen finanziellen Mitteln – inklusive hoher Eintrittspreise und auffälligem Sponsoring – in der Provinz ein Mega-Event auf die Beine zu stellen, um sich den Luxus zu gönnen, die eigenen neuen und alten Lieblingskünstler auf der Bühne zu sehen. Beschränkt wird das (Besucher-)Wachstum allein durch die vorhandene sanitäre wie verkehrs- und camping-technische Infrastruktur in und um die einmalige Location Ferropolis. Das Austesten dieser Grenzen führte im Streben nach Wachstum in den letzten Jahren immer wieder zu kleinen Pannen und liebevollen Meckereien, die im letzten Jahr – so las man 2008 – bis nahe ans Chaos führte, was eine Beschwerde-Lawine einschloss. Wachstum, Infrastrukturmängel, das ominöse menschliche Versagen und ein ungnädiger Wettergott verärgerten sowohl Festival-Event-Reisende wie auch diejenigen, die schon seit Jahren den Verlust des Independent-Charakters beklagen.

Easyjetset-Party-Tourismus und Betonung hedonistischer Lebenseinstellung im Rahmen nicht nur des New Rave führen einerseits zu ausgelassenster Stimmung in der Stadt aus Eisen, erhöhen aber immer mehr auch die Rate eben der Besucher, die gelegentlich bereits auf den noch größeren Festival-Kollegen soziale Ausnahmezustände schaffen. Über wild in der Menschenmenge herumurinierende Männlein und Weiblein lässt sich augenzwinkernd hinwegsehen, doch scheint auch auf dem Melt! langsam zu viel gute Stimmung in Stress umzuschlagen.


Photos: Oliver Bothe


Photos: Pressefreigaben Melt! Festival

Aber immer noch wissen auch die puren Musikliebhaber den Wert des Events Melt! zu schätzen. Umgebung und gebuchte Künstler bleiben einzigartig. Die Lichtinszenierung – die früher besser war – führt zu Aha-Effekten. Die klangliche Vielfalt im Billing eröffnet neue Horizonte, führt sozusagen die Breite der in Intro, De-Bug oder Spex beschriebenen Künstler in den realen Raum über. Neue Tendenzen werden aufgegriffen, aber nicht unnötig übertrieben, die Waage zwischen Gitarre und Elektronik ist ausgeglichen. Die globalisierte Vielfalt des Musikgeschmacks der Festivalbesucher aus dem Web 2.0 fächert das Spektrum zwar immer weiter auf, führt so aber vor allem zu neuen, begeisternden Entdeckungen.


Photos: Pressefreigaben Melt! Festival

Im Jahr 2009 taucht erneut der 2008 eingeführte Sonntag als dritter Festivaltag auf. Neben den Headlinern Oasis werden Kasabian, Glasvegas, die Durchstarter Polarkreis 18 und unser aller Lieblings-Dandy Patrick Wolf auf der Hauptbühne auftreten. Die Gemini-Bühne dürfen dagegen Tiga und Shir Khan beschallen. Weitere Hauptacts sind auf der Mainstage Aphex Twin + Hecker am Freitag und Bloc Party am Samstag. Letztere werden dort unterstützt von Digitalism, Phoenix und The Whitest Boy Alive, während vor Aphex Twin unter anderem Travis, Klaxons und Röyksopp spielen und Moderat nach ihm den Tag auf der Bühne ausklingen lassen werden. Auf der Gemini-Stage finden sich an diesen Tagen neben Gossip auch Simian Mobile Disco, Jazzanova MSTRKRFT, Bodi Bill, WhoMadeWho oder Super 700 wieder. Die traditionell technoide Bühne namens Big Wheel beschallen am Freitag zum Beispiel Trentemøller, Koze, Radio Slave, Matthew Herbert oder Rex The Dog, während sie Samstag mit Ellen Allien und Paul Kalkbrenner im Zeichen des zehnjährigen Bpitch Jubiläums steht. Hinzu kommen Hell, James Holden, A Critical Mass feat. Henrik Schwarz, Âme, Dixon sowie die Kompakt-Darlinge Tobias Thomas und Matias Aguayo. Das Jubiläum der Bpitcher setzt sich sonntags fort auf dem kostenfreien Sleepless Floor. Die Club-Bühne, die erneut von einem großen Brause-Hersteller als Talent-Bühne gesponsert wird, beschallen am Freitag unter anderem The Dodos, The Virgins, La Roux oder The Soundtrack Of Our Lives, während Samstag Anna Ternheim, The Wedding Present oder Bonaparte einen Platz finden. Wie schon die vergangenen Jahre bildet aber der Red Bull Music Academy Floor das absolute Highlight des Festivals. Während dort Freitag Goldie, Magnetic Man, Kode 9 & Spaceape sowie Hudson Mohawke oder Tim Exile vor allem die gebrochenen Beats feiern, steht diese Tanzfläche am Samstag erneut ganz im Zeichen des Ghettotech mit Daniel Haaksman, Mujava, Buraka Som Sistema und Diplo.

Die Rahmendaten:

Termin/Ort: 17. bis 19. Juli 2009 in Ferropolis Ferropolis "Stadt aus Eisen", Ferropolisstraße 1, 06773 Gräfenhainichen (Sachsen-Anhalt) www.ferropolis.de

Künstler: !!! (Chk Chk Chk), A Critical Mass ft. Henrik Schwarz, Amazing Baby, Animal Collective, Anna Ternheim, Aphex Twin + Hecker, Baddies, Bloc Party, Bodi Bill, Bonaparte, Boy 8-Bit, Boys Noize vs. Erol Alkan, Brodinski, Buraka Som Sistema, Cajuan, Caribou, Channel X, Circlesquare DJ-Set, Cold War Kids, Crystal Castles, Daniel Haaksman, Daniel Stefanik, David Dorad, Deadmau5, Delphic, Digitalism live, Dinky, Diplo, DJ Koze, DJ Phono, DJ Supermarkt, Drop The Lime, Ellen Allien, Empro, Fabiano, Fagget Fairys, Fever Ray, Fieber Tanz, Filthy Dukes, Foals, Gispert zu Knyphausen, Glasvegas, Goldie, Gossip, Gunnar Stiller, Hell, Hudson Mohawke, James Holden, James Yuill, Jazzanova Live (feat. Paul Randolph), Jesse Rose, Jochen Distelmeyer, Kakkmaddafakka, Karrera Klub, Kasabian, Kasper Bjørke, Kassette Boys, Kiki, King Kong Kicks, Klaxons, Kleinschmager Audio, Kode 9 & Spaceape, LA Roux, Lars-Christian Müller, Le Corps Mince de Fran¸oise, Les Yper Sound, Lexy, Luna City Express, Magnetic Man feat. Skream & Benga (live), Marcus Meinhardt, Markus Kavka, Markus Welby, Mathias Aguayo, Matthew Herbert (DJ-Set), MC Justyce, Mediengruppe Telekommander, Metronomy, Michael Mac (Club NME), Mike Snow, Mikroboy, Miss Bliss & A.N.N.A., Moderat live, MSTRKRFT, Muff Potter, Mujava, ND Baumecker, Oasis, Passion Pit, Patrick Wolf, Paul Kalkbrenner , Philipp Cerfontaine, Phoenix, Pilooski, Planetary Assault Systems LIVE , Polarkreis 18 , Radio Slave, Röyksopp, Sascha Funke, Scharrenbroich trifft Gunjah, Shir Khan, Simian Mobile Disco live, Skinnerbox, Super 700, Sven Jozwiak, Sweat! Club DJ-Team , Team Monster, Team Recorder, The Cheapers, The Dodos, The New Wine, The Soundtrack Of Our Lives, The Virgins, The Wedding Present, The Whitest Boy Alive, This Will Destroy You, Thunderheist, Tiga, Tim Exile, Tobias Thomas, Travis, Trentemøller DJ-Set, TRG, WhoMadeWho, Yuksek, Zander VT

Tickets (ohne Gewähr): Festivalticket für Freitag und Samstag (inklusive Camping & Parken): 70,- Euro (Vorverkauf), 85,- Euro (Abendkasse); Festivalticket für Freitag, Samstag und Sonntag (inklusive Camping & Parken): 90,- Euro (Vorverkauf), 110,- Euro (Abendkasse); Tagestickets: 50,-, 55,- Euro (Abendkasse); Sleepless Floor jederzeit umsonst

Einlass: 15.00h, Schicht im Schacht: 07.00h (So. 03.00h); Sleepless Floor: 07.00h bis 19:00h (So. 19. Juli bis ca. 02:00 Montag)

Anreise: PKW: A9 -> Abf. Dessau Ost // Beschilderung Ferropolis folgen; Bahn: bis Bahnhof Dessau oder Gräfenhainichen, von Dessau mit dem Bus nach Ferropolis (ca. 20 Min.); Freitag und Sonntag gibt es dem Zugverkehr angepasste ÖPNV-Sonder-Busse: 3,10 Euro pro Person/Fahrt. Bis 18:30h herrscht regulärer Busverkehr; danach stündlich nur ein Bus bis 23:30h; Vor Ort: Kostenloser Bus-Shuttle zwischen Park-, Campingplatz und Gelände Fußweg ca. 15-20 Minuten (Spaziergang am Seeufer); Flughäfen: Berlin Tegel oder Schönefeld (ca. 90 Min. mit dem Shuttle), Halle/Leipzig Airport (ca. 60 Min. mit dem Shuttle)

www.meltfestival.de
www.myspace.com/meltfestival

Oliver Bothe

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