Rezension

Zoot Woman

Star Climbing


Highlights: Coming Up For Air // Chemistry
Genre: Elektro-Pop
Sounds Like: The Postal Service // Cut Copy // WhoMadeWho // Saint Etienne

VÖ: 29.08.2014

Wer Anfang der 00er-Jahre schon dabei war, mag sich möglicherweise noch daran erinnern. Neben der beginnenden Retrorock-Welle wagte sich das kleine Pflänzchen Elektro-Pop erstmals seit den 80ern wieder ans Tageslicht. Auf den Indie-Dancefloors taten sich damals vor allen Dingen Zoot Woman besonders hervor. „Living In A Magazine“, „It’s Automatic“ und „Grey Day“ sind auch heute noch Hits und zeitlose Klassiker aus den ersten beiden Alben. Nach sechs Jahren Funkstille gab es dann 2009 noch einmal mit „Things Are What They Used To Be“ ein gelungenes Lebenszeichen. Weitere fünf Jahre später folgt nun „Star Climbing“.

Dass die Abstände zwischen den Alben so groß sind, hat natürlich einen Grund. Stuart Price, Kopf und Mastermind von Zoot Woman, ist eine wandelnde Hit-Maschine. Madonna, Seal, Kylie Minogue, The Killers, Pet Shop Boys und viele weitere nahmen und nehmen seine Dienste in Anspruch. Da bleibt kaum noch Zeit für anderes. Angesichts des Rufs, welcher Price vorauseilt, ist es umso erstaunlicher, dass auf „Star Climbing“ – gerade gemessen an den bisherigen Zoot-Woman-Werken – die Hooklines und Hit-Melodien irgendwie ausbleiben. Manchem Nostalgiker zaubern Songs wie „Chemistry“ oder „Coming Up For Air“ noch ein wissendes Lächeln ins Gesicht, viel mehr bleibt dann allerdings nicht hängen.

Haben Zoot Woman noch vor zehn Jahren voll den Zeitgeist getroffen und dem verstaubten Elektro-Pop eine neue Coolness angedeihen lassen, klingt der Sound auf "Star Climbing" überholt und von anderen Bands in den letzten Jahren schon zig Mal durchgekaut. Das liegt vor allen Dingen daran, weil Zoot Woman krampfhaft versuchen ihren Sound in die Neuzeit zu übertragen. Im schlimmsten Fall kommen dabei die völlig verunglückte Daft-Punk-Nummer "Rock & Roll Symphony" oder technoide Langeweile in Form von "Lifeline" heraus. Johnny Blakes nach wie vor wunderbar faszinierende Stimme kann da nur noch wenig rausreißen. Manchmal empfiehlt es sich, sich selbst treu zu bleiben und Weiterentwicklung außen vor zu lassen. Dies ist so ein Fall.

Benjamin Köhler

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