Rezension

Young Legionnaire

Crisis Works


Highlights: Twin Victory // Numbers // Black Lions // Blood Dance // Futures Finished
Genre: Post-Core // Indie
Sounds Like: Yourcodenameis: Milo // MeWithoutYou // Tubelord // Placebo

VÖ: 06.05.2011

Mit Zweitbands ist das ja immer so eine Sache... Meistens kommt da nichts Halbes und nichts Ganzes bei raus und die Frage, was das jetzt eigentlich soll und wo überhaupt die Unterschiede zur Hauptband auszumachen sind, taucht dabei nicht gerade selten auf. Bei Young Legionnaire vereinen sich sogar gleich zwei Fremdgeher mit der Absicht, aus ihrem Alltagstrott auszubrechen. Der eine (Gordon Moakes) spielt Bass bei einer der erfolgreichsten Indie-Bands (Bloc Party) überhaupt, weiß allerdings selbst nicht so recht, ob man sich jetzt aufgelöst hat oder nicht. Der andere (Paul Mullen) war mal eine Underground-Legende mit Yourcodenameis: Milo und schleppt sich nun mit seiner aktuellen Band The Automatic mehr schlecht als recht durch die hinteren Seiten des NME.

"Höchste Zeit für eine kleine Affäre", werden sich die beiden da gedacht haben und mit Will Bowerman (mittlerweile ersetzt durch Dean Pearson) war auch schnell jemand gefunden, der an den Drums den erforderlichen Wumms mitbringt. Young Legionnaire treten nämlich wesentlich mehr Arsch als die eigentlichen Bands der beiden Hauptprotagonisten. Längst vergessen geglaubter Post-Core wird da mit zum Teil tonnenschwerem Sound zelebriert, ohne allerdings catchy Melodien auf der Strecke zu lassen. Den Briten gelingt auf „Crisis Works“ das große Kunststück, ordentliche Härte mit Ohrwurmqualitäten zu kombinieren, ohne dabei peinlich zu sein und das ist in den letzten Jahren beileibe nur ganz, ganz wenigen gelungen.

Und als ob dieser Spagat nicht ohnehin schon schwierig genug wäre, schaffen es Young Legionnaire auch noch ein Album hinzuzimmern, das vielseitiger kaum sein könnte. Auch wenn der furiose Opener „Twin Victory“ erst mal alles wegfackelt, was von der letzten Radiobelastung noch übrig blieb, so zeigt bereits das nachfolgende, großartige „Numbers“, dass hier kein kopfloses Anrennen angesagt ist und schon gar nicht ein Song wie der andere klingt. Die Bandbreite ist enorm. Reicht von fiesen Dampfwalzen wie „Chapter, Verse“ über Beinahe-Indie-Hits wie „Black Lions“ bis zu astreinen Halbballaden („A Hole In The World“).

Und trotz dieses beeindruckenden Repertoires bleibt eines immer im Mittelpunkt und sorgt dafür, dass dennoch ein homogenes Gesamtbild entsteht: die Melodie. Kaum ein Song, bei dem sich nicht früher oder später irgendein Refrain, irgendein Riff, irgendeine Basslinie ins Gedächtnis fräst. Besonders Mullens Gesang bleibt dabei nicht zuletzt aufgrund seiner Individualität und seinem Variantenreichtum hängen. Aber auch Gordon Moakes’ Bass darf sich hier endlich mal austoben und verkommt nicht zu einem reinen Hintergrundbegleiter.

Man hört „Crisis Works“ jede Sekunde an, dass alle Beteiligten enormen Spaß dabei hatten und die Songs wie eine Befreiung wirken. Nur deshalb kommt dabei auch ein Album raus, das so viel mehr ist, als ein bloßer Zeitvertreib einiger gelangweilter Musiker. Das hier ist ein Seitensprung, der sich nicht vorgaukelt, der eigentlichen Bindung gut zu tun. Young Legionnaire sind eine neue Beziehung, die gegenwärtig deutlich besser funktioniert, als die mit den (Ex-?)Partnern. Bloc Party haben nichtsdestotrotz angekündigt, im Spätjahr wieder ins Studio zu gehen. So leicht lässt man sich den Bassisten dann doch nicht ausspannen. Aber es wird verdammt schwer werden.

Benjamin Köhler

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"Chapter, Verse" als Free-Download gegen E-Mail Adresse auf der Homepage
www.younglegionnaire.com

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