Rezension

Vondelpark

Seabed


Highlights: Blue Again // Come On // California Analog Dream
Genre: Dream Pop // Chill-Out
Sounds Like: James Blake // The Whitest Boy Alive // jj // CANT

VÖ: 12.04.2013

Der Vondelpark in Amsterdam: hauptsächlich bekannt durch seine schönen Grünanlagen und weil die Stadt eine öffentliche Sexerlaubnis für die Abendstunden dort ausgestellt hat. Ob sich Lewis Rainsbury, Alex Bailey und Matt Law deswegen nach dem grünen Flecken in der niederländischen Metropole benannt haben, darüber kann man nur spekulieren. Musik für den Beischlaf findet man auf „Seabed“ auch trotz des Titels jedenfalls eher nicht. Vielmehr liefert das Trio mit ihrem Debüt den Soundtrack für das Aufwachen am Wochenende, wenn von draußen die Sonnenstrahlen das Gesicht kitzeln und man die Gemütlichkeit unter der Decke so richtig auskostet.

Dann nämlich entfaltet der Sound auf „Seabed“ seine volle Wirkung: wenn man ganz entspannt die Klänge aufnimmt, ohne groß drüber nachzudenken oder sich gar darauf konzentrieren zu müssen. Und dies funktioniert deswegen so gut, weil sich Vondelpark aus jedem Genre bedienen, das lieber mal Fünfe grade sein lässt und das Ganze dann zu einer ganz eigenen Melange verkocht. Da wird u.a. der Wohlfühl-Pop von The Whitest Boy Alive entschleunigt, das elektronische Grundgerüst der Chill-Out-Tracks von Bonobo übernommen und ab und an schimmert sogar der soulige Unterton eines James Blake durch. Nicht die schlechtesten Referenzen.

Vondelpark stellen sich mit ihrer ganz eigenen Atmosphäre dennoch ein Stück weit selbst ein Bein. Hört man „Seabed“ zu anderen Gelegenheiten, die wirklich gänzlich von oben beschriebenem Szenario abweichen, macht sich nur wenig Begeisterung breit. Die Songs sind musikalisch spannungsarm, aufgrund dessen in den meisten Fällen auch viel zu lang und textlich keiner Rede wert. Bis auf das bereits aus einer Vorab-EP bekannte „California Analog Dream“, das ein bisschen mehr Schwung in die Sache reinbringt, ist auch kein Stück dabei, welches man sofort wieder hören möchte.

Der Rest stört zwar zu keiner Zeit, ist aber eben auch kein Fundus an neuen Lieblingssongs. Für Alben wie „Seabed“ wurde wahrscheinlich das Wort „nett“ (ganz ohne Scheiße) erfunden. Es sei denn, man liegt natürlich an einem Samstag Morgen um zehn Uhr im Bett und überlegt sich, ob man für ein Frühstück wirklich die wohligen Laken verlassen soll. Dann kann die Platte magisch sein.

Benjamin Köhler

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