Rezension

Tropical Fuck Storm

Braindrops


Highlights: The Planet Of Straw Men // The Happiest Guy Around
Genre: Psych-Rock // Noise
Sounds Like: The Drones // Les Savy Fav // Iceage

VÖ: 23.08.2019

Bei mancher Musik kann man sich schlau fühlen, während man sie hört – Opern etwa, oder Jazz. Es gibt aber auch Musik, bei der man sich wirklich wie ein Genie fühlen kann, denn – so weiß dank Einstein der Volksmund – das Genie beherrscht das Chaos. Und bei kaum einer Band macht es 2019 solchen Spaß, das scheinbare Komplettchaos zu entwirren wie bei Tropical Fuck Storm.

Das geht ja schon beim Bandnamen los, der nur auf den ersten Blick unnötig random nach einem Wetter-Ansager mit Tourette klingt. Bei näherem Hinsehen ist jedoch verblüffend, wieviele komplett konträre Assoziationen diese drei Wörter versammeln, die auch zur Musik der Australier passen: Wildheit, Exotik, Sex, Strand... So etwas kommt eben dabei heraus, wenn Mitglieder einer Psych-Noise-Band (in diesem Fall Gareth Liddiard und Fiona Kitschin von The Drones) mit Pop-Musik fremdzüngeln wollen.

Was für Extreme solch eine Kombination zulässt, verdeutlicht einmal „Desert Sands Of Venus“, das die dünnen Grenzen zwischen Jazz und Störgeräuschen auslotet, und die groovige, von Kitschin gesungene Slacker-Single „Who's My Eugene“, in dessen Video sich die Bandmitglieder wie in den ersten Minuten eines 80er-Softporno-Streifens bei der vergnüglichen Sommerfrische filmen lassen. Ebenso ist der Song übrigens ein Beispiel für versteckte Tiefe – hinter dem scheinbaren Gaga-Titel verbirgt sich eine Referenz auf Brian Wilsons Psychotherapeuten.

Die besten Tracks auf „Braindrops“ treffen sich jedoch in der Mitte von Eingängigkeit und Wahnsinn, zwischen catchy Melodiefragmenten und Riffs auf der einen und Stakkato-Rhythmen und unkonventionell gestimmten Gitarren auf der anderen Seite. „Paradise“ etwa, das eventuell angestaute Noise-Bedürfnisse gleich zu Beginn der Platte herauslässt oder das aggressiv-fröhliche (wieder diese Widersprüche!) „The Happiest Guy Around“. Alles solche kleinen Perlen konzentrierten Genies... und wenn man diese für sich "Braindrops" nennt, hat man vielleicht noch eine Komponente des Albums entwirrt.

Jan Martens

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Video zu "Who's My Eugene?"

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