Rezension

Trentemøller

Obverse


Highlights: Try A Little // Cold Comfort
Genre: Elektro // 80er // Synthiepop
Sounds Like: The Cure // Depeche Mode // Röyksopp // Moderat // Nicolas Jaar // David August

VÖ: 27.09.2019

Recht gemütlich hat sich Anders Trentemøller mit Hilfe insbesondere seiner letzten Studioalben seine eigene kleine Nische eingerichtet. Konsequent wie kein Zweiter adaptierte er den Sound des düsteren 1980er-Jahre-Synthies, polierte diesen auf und sorgte mit zahlreichen Gastsängerinnen dafür, dass „Lost“ und „Fixion“ nicht schon auf den ersten Eindruck das waren, was sie sind: Bessere The-Cure-Alben als einige The-Cure-Alben. Und nun? Diesen Weg weitergehen, neue Gastsängerinnen an Bord holen und das dritte Album in Folge mit gleichem Konzept bestreiten?

Hört man zunächst die Singles „In The Garden“, „Try A Little“ und „Blue September“, kann diese Antwort nur klar lauten: Ja. Lina Tullgren, Jenny Lee Lindberg von Warpaint und Lisbet Fritze sind die jeweiligen Gastsängerinnen. Dazu eröffnet Rachel Goswell von Slowdive mit dem epischen „Cold Comfort“ „Obverse“. Zwischen diesen (und einigen weiteren) Tracks jedoch tobt sich Anders Trentemøller anders aus. Synthiegeplucker, Ambient, Noise – allein, was „TRNT“ so vom Stapel lässt, geht weiter über das oben genannte Konzept hinaus. So wirken die singlekompatiblen Songs wie kleine Appetithappen, mit denen der Hörer geködert wird, um den wahren Kern von „Obverse“ zu zeigen und das klappt ziemlich gut. Die Gesangsstücke lockern den Gesamtfluss deutlich auf und zwischen diesen baut Trentemøller eine bunte Welt elektronischer Longtracks zusammen, die für sich genommen zu schwere Kost für eine ganze Albenlänge wäre.

Zwar verabschiedet er sich damit von der Eingängigkeit und der Popaffinität der Vorgänger, was das Hören „nebenbei“ erschwert, lädt aber natürlich auch ein, ganze Soundlandschaften zu erkunden. „Obverse“ ist beides, 80er-Referenz und 2010er-Anspruch.

Klaus Porst

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"Blue September"
"Try A Little"

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