Rezension

Tijuana Panthers

Semi Sweet


Highlights: Tony's Song // Father Figure
Genre: Surf // Garage Punk // Beach Pop
Sounds Like: Allah-Las // Mikal Cronin // Harlem // Pixies

VÖ: 31.05.2013

Es gibt sie, die großen Coverversionen, die eine Vorlage umwandeln, verzaubern, erheben und wie einen halbfertig wirkenden Entwurf ausspucken. „All Along The Watchtower“ von Jimi Hendrix, „Where Did You Sleep Last Night“ von Nirvana und „Knockin' on Heaven's Door“ von Guns N' Roses gehören in diese erlesene Runde, natürlich. Und es gibt schiere Horden, die ein Lied einfach stupide und nuancenlos Note für Note nachäffen.

Das Nerves-Cover der Tijuana Panthers aus Kalifornien fällt in letztere Tonne. Warum überhaupt „One Way Ticket“ covern, ohne dem Lied einen zusätzlichen Aspekt abzugewinnen? Alten Helden huldigen, musikalische Zugehörigkeit signalisieren, Spielzeit auffüllen? Wohl jeder, der „Semi Sweet“ jemals in den Händen halten wird, kennt die Nerves. Auch haben die Tijuana Panthers nicht mal einen solchen Wink mit dem Zaunpfahl nötig, um zu signalisieren, in welchen musikalischen Gewässern sie planschen. Das Aufnahmeband rauscht, die Gitarren scheppern und die Toms krachen. Ja, so klingt nun mal Garage Rock. Bleibt also nur die Annahme, dass die Tijuana Panthers ein 26-minütes Album als zu kurz empfunden hätten und auf 28 erhöhen wollten. Sicher ist sicher.

Das Resultat erinnert dann in Lichtmomenten wie bei „Tony's Song“ an die Pixies ohne deren genialen Wahnsinn. Meistens dümpelt „Semi-Sweet“ allerdings vor sich hin, verquirlt offensichtliche Einflüsse wie Allah-Las, The Growlers, Harlem oder andere zu spät Gekommene und droht sogar in „Boardwalk“, den Hörer mit der melodiösen Brechstange à la Drums und einer Überdosis an Schubidus zum ekstatischen Glück zu zwingen. Was natürlich schief geht.

Die 28 Minuten gehen dann doch runter wie ein Radler in der Augustsonne, aber wirklich besäuselt wird man von diesen paar Prozentchen halt auch nicht. Die Überraschung fehlt, das Feld ist längst abgegrast. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass jeder der drei ganz demokratisch mal hinter das Mikro darf. Semi-Sweet? So mittelspannend.

Yves Weber

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