Rezension

Theo Luft

Wo Ist Der Feind Wenn Man Ihn Braucht


Highlights: Hollywood // Nie Beim Euro Grand Prix // Future F?r Die Zukunft
Genre: NDW // Indie // New Wave Pop
Sounds Like: Rainald Grebe // Extrabreit // Fehlfarben

VÖ: 15.09.2015

Sollte sich die „Neue Deutsche Welle“ wieder in der Musiklandschaft auftürmen, Theo Luft würden mit ihrem Debüt „Wo Ist Der Feind Wenn Man Ihn Braucht“ wohl lieber zur Bar gehen, anstatt sich von kitschigen Sythiesounds mitreißen zu lassen.

Schließlich begab es sich an eben einer solchen Bar, dass Theo Luft, dessen Pseudonym ebenfalls als Bandname fungiert, schon leicht angeschlagen Songs von Rainald Grebe zum Besten gab. Ein Musikerfreund war so angetan und bat ihn um einige Gesangsbeiträge zu seiner Musik. Wie das Resultat damals klang, ist nicht bekannt. Theo hatte jedoch Blut geleckt, zog nach Hamburg und schraubte fortan an eigenen Tracks. Weil diese dann zu schade waren, um als Dateileichen auf den Papierkorb zu warten, machte er sich auf die Suche nach gleichgesinnten Mitstreitern und wurde fündig.

Theo Luft sind zum Quartett gewachsen und haben mit dem Keyboard-, Gitarre-, Bass- und Schlagzeug-Lineup einen organischen Sound gefunden, der dem NDW-Stempel gekonnt das Stempelkissen vorenthält. Großen Anteil an diesem Klang hat die Produktion von Dennis Rux (u.a. Rhonda, Trashmonkeys), der in den Hamburger Yeah Yeah Yeah Studios den Songs ein erdiges, analoges Fundament gegossen hat.

So marschiert der Opener „Hollywood“ gleich in bester Indie-Manier nach vorn und lässt der NDW-Referenz erstmal keinen Raum, bis dann aus allen Mündern pfeifend die erste Singleauskupplung „Luxus Der Langeweile“ beginnt und direkt zum Tanz lädt. Dazu kommen die assoziativen Texte des Herren Luft, die beim ersten Hören wie willkürliche, aber wohlklingende Versatzstücken wirken, dann aber während des zweiten Durchlaufs plötzlich doch Geschichten erzählen. So unterhaltend und anspruchsvoll bleibt es über die gesamte Spieldauer. Immer mit dem Potential, dass sich Schlagerfan und Indie-Hipster auf der Tanzfläche pfeifend in den Armen liegen.

Theo Luft stehen mit ihrer Kombination aus Idee, der musikalischen Umsetzung und Produktion ziemlich alleine da. Niemand sonst verbindet gerade Indie-Pop und Post-Punk so geschmackssicher und interpretiert nebenbei die NDW derart spannend.

Sönke Holsten

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Video zu "Der Luxus der Langeweile"

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