Rezension

The Thrills

Teenager


Highlights: Long Forgotten Song // Restaurant
Genre: Indiepop
Sounds Like: Shout Out Louds // Electric Light Orchestra // Supergrass

VÖ: 21.09.2007

Eieiei… Wer so tief in die Klischeekiste greift, wie es The Thrills bei ihrem dritten Album tun, der hat schon einmal von vorneherein eher mittelmäßige Karten, was die Begeisterung angeht. Es reicht offenbar nicht, dass der Albumtitel „Teenager“ heißt und die gesamten Texte tatsächlich von dieser Lebensphase zwischen Depression und Ekstase handeln. Nein, auf dem Albumcover muss auch noch ein junges, knutschendes Pärchen abgebildet sein. Ist das Zielgruppenfishing oder will man die älteren Generationen in Erinnerungen schwelgen lassen? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Und was ist mit denjenigen, denen das alles am Allerwertesten vorbeigeht?

Die können sich zumindest über einige nette Popmelodien freuen. „The Midnight Choir“ kommt zum Beispiel mit schönem Mandolinenspiel daher und erinnert irgendwie an Arcade Fire (aber auch nur die Mandoline). Oder auch der sehnsüchtige „Long Forgotten Song“. Wirklich nett und erinnert irgendwie…schon wieder an Arcade Fire. Ganz schön dreist ist das. Mal sehen, ob da auch irgendwo eigene Ideen versteckt sind.

Ahja… da haben wir ja den Titelsong. Doch Moment! Der klingt sehr stark nach „Not For All The Love In The World“ von der letzten Platte. Da wollte man wohl dem Hörer ein Schnippchen schlagen! Doch nicht mit uns, liebe Thrills, also geht die Suche weiter. Nächster Versuch: „Restaurant“. Und tatsächlich, da haben wir mal einen Kandidaten, an dem nichts auszusetzen ist. Schöne Halbballade, die das ganze Gefühlschaos des Teenagerdaseins wunderbar einfängt.

Das war es dann aber auch schon wieder gewesen. Denn The Thrills hauen auf dem Rest von „Teenager“ Songs raus, die ungefähr so aus der Masse herausstechen, wie Roller fahrende Jugendliche, die bei Mäcces zu Mittag essen. Nämlich gar nicht! Dazu hat Sänger Conor Deasy ein Stimmorgan, welches zwangsläufig über kurz oder lang auf den Senkel gehen muss. Es ist eine Sache, ob man wie ein vom Leben gequälter singt. Wenn daraus aber ein regelrechtes Gejaule und Genöle wird, dann ist irgendwo auch mal Schluss mit lustig. Genau wie bei dieser Platte. Das gibt Hausarrest, meine Herren!

Benjamin Köhler

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