Rezension

The Teenagers

Reality Check


Highlights: Homecoming
Genre: Electropop
Sounds Like: Lo- FI- FNK // To My Boy // The Whip

VÖ: 21.03.2008

O là là, schon wieder neue Musik aus Frankreich. Wie ofenfrische Baguettes wird da mittlerweile Band um Band auf den Markt geschossen. Wenn das so weiter geht, muss sich ja sogar die Insel warm anziehen. Aber nun gut, mal sehen, was wir diesmal hier haben…

The Teenagers aus Paris mögen dem ein oder anderen schon länger bekannt sein. Aber das wundert in Zeiten von Internet Communitys, Blogs und MySpace auch eigentlich gar nicht mehr. Fakt ist aber, dass es eine regelrechte Massenhysterie im Vorfeld des Albums um diese Band gab. Mit Witz, Charme und einem unnachahmlichen Gespür für Melodien sollen The Teenagers die Wiederbelebung des momentan etwas angestaubten Indiepop in Frankreich sein. So und so ähnlich war der allgemeine Tenor, den man bei der Recherche vielfach nachlesen konnte. Nach dem ausgiebigen Hören von „Reality Check“ weiß man es aber besser: The Teenagers sind allenfalls die Wiederbelebung der Pubertät.

Dabei ist das Coverartwork eigentlich schon ein Warnhinweis: Ein knutschendes Teeniepärchen. Sieht eigentlich recht harmlos aus. Doch aus eigener Erfahrung sollten wir natürlich wissen, dass es hinter den Kulissen oftmals viel deftiger zugeht, als es unsere Eltern in ihren kühnsten Träumen vermuten würden. Mit anderen Worten: Es geht ums Ficken, Ficken, Ficken und dabei an die Gläser denken. Wem das jetzt schon zu flach ist, der steigt am besten an dieser Stelle flugs aus der Rezension aus.

Immer noch da? Na gut. „Reality Check“ funktioniert im Prinzip wie „American Pie“, nur eben für den CD-Player. Will heißen: Einige Texte sind tatsächlich lustig, auch wenn dabei natürlich mit der Holzhammermethode vorgegangen wird. „Homecoming“, welches sehr amüsant die Begegnung eines britischen Aufreißers und einer dumm-naiven Amerikanerin schildert, ist sogar eine richtige Perle. Wenn dann aber das zehnte Mädchen flachgelegt und der Alkoholpegel im dreistelligen Promillebereich angekommen ist, wird es irgendwann gähnend langweilig. Dazu kommt noch der cheesy 80´s Electropop- Sound, der über kurz oder lang an die Substanz jedes guten Geschmacks geht. Falls man aber dies alles trotzdem noch locker toleriert und dazu noch die zehnfache Wiederholung JEDES Refrains aushält, dann ist man entweder noch weit unter 16 (gute Ausrede), oder hinkt weit hinter der eigenen Entwicklung her (schlechte Ausrede). Für alle anderen ist „Reality Check“ aber weitestgehend zum Pickel kriegen.

Benjamin Köhler

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