Rezension

The Rumble Strips

Welcome To The Walk Alone


Highlights: London // Not The Only Person // Back Bone
Genre: Britpop
Sounds Like: The Enemy // Mando Diao // The View // Good Shoes

VÖ: 20.11.2009

So manchem Indiegeschmackspolizisten mögen die Tränen in den Augen stehen: Gemessen an ihrer Qualität ist zumindest bis zu einem gewissen Alter kaum jemandem die Musik toller Bands wie der Thermals oder der Shout Out Louds bekannt, während das nicht zu unterschätzende Glückslos, Mando Diao auf ihrer kürzlich beendeten Hallentournee supporten zu dürfen, einer Band wie den Rumble Strips zu ungeahnten Popularitätsschüben bei bezahnspangten Chucksträgerinnen verholfen haben dürfte. Hätte es schlimmere treffen können? Sicherlich. Hätten es die Rumble Strips pseudoobjektiv verdient, bald die Posterseite der Yam zu zieren? Auch nicht wirklich.

Eine Band wie dieses britische Quintett zu beschreiben, ohne auf alte Klischees zurückzugreifen und die Adjektive "nett" und "scheiße" Bruderschaft trinken zu lassen, gestaltet sich hierbei als schwierig. Denn eigentlich machen die Rumble Strips kaum etwas wirklich falsch, sie machen allerdings auch selten etwas, das jemanden vom Hocker reißen dürfte, der in seinem Leben schon mehr als drei Inselbands gehört hat, deren Name mit einem definiten Artikel beginnt. Was in einem solchen Fall als Anker fungieren könnte: Hitpotential.

Und zumindest hier müsste man der Band zugute halten, dass sowohl "Not The Only Person" als auch "Back Bone" eigentlich mal ziemlich geile Teile sind. Beschwingt-eingängige Kariesmelodien, bei ersterem noch unverschämt gewitzt eingesetzte Streicher und die Gewissheit, dass selbst ein herkömmlicher Formatradiosender wahrscheinlich eine ganze Weile brauchen würde, um die Dinger totzudüdeln. Auch "London" kann sich kurzfristig ins Ohrwurmzentrum des Hörers blasen und trommeln, der Rest von "Welcome To The Walk Alone" ist jedoch nicht viel mehr als Dandy-Britpop, der zwar Melodien liebt, aber viel zu wenige tolle davon auf Lager hat. So gesehen machten Mando Diao alles richtig: solide Kost, der Freunden ihrer Musik nicht auf die Nerven gegangen sein wird - die Show wird ihnen so aber auch kaum gestohlen worden sein.

Jan Martens

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