Rezension

The Jezabels

Prisoner


Highlights: Endless Summer // Long Highway // Rosebud / Horsehead // Austerlitz // Deep Wide Ocean // Catch Me
Genre: Indierock
Sounds Like: Florence And The Machine // Fleetwood Mac // Marina & The Diamonds

VÖ: 02.03.2012

Australien hat sich inzwischen zum verlässlichen Exporteur guter Bands entwickelt. In den letzten Jahren schaffte es immer mindestens eine Band, sich auch in Europa in die Herzen der Hörer zu spielen, wobei diejenigen, die es schaffen, unterschiedlicher nicht sein könnten. Mit The Jezabels kommt eine neue Geschmacksrichtung ins Spiel, die schon auf dem Papier ungewöhnlich klingt: Eine Sängerin mit einer Vorliebe für 80er-Pop trifft auf dem Gelände der Universität in Sydney auf einen Schlagzeuger aus der Metalszene, eine klassisch ausgebildete Keyboarderin und einem Countryfan als Gitarristen.

Auch eine Seltenheit: Mit dem in Eigenregie vertriebenen Debütalbum Prisoner den zweiten Platz der Heimatlandcharts zu erreichen, nachdem die dritte EP Dark Storm bereits ganz oben trohnte, ist ein dickes Ausrufezeichen. Wobei es auch sehr schwer geworden wäre, eine Plattenfirma von der Stilrichtung der Band zu überzeugen, den sie selbst als Intense-Indie bezeichnen. Denn Prisoner ist sperrig, ungewöhnlich, pathosschwanger und sehr dramatisch. Man merkt der Band an, dass sie nicht das Interesse hat, sich in irgendeiner Art und Weise verbiegen zu lassen. Der Opener und Titeltrack ist mit dem depressiven Gesang und den starken, treibenden Drums richtig schwere Kost und macht den Wunsch zu polarisieren mehr als deutlich. Das darauf folgende „Endless Summer“ dagegen ist viel eingängiger und damit auch eine gut gewählte Singleauskopplung: Hayley Marys Stimme beginnt sanft, steigert sich aber hymnengerecht immer weiter und erreicht Höhen, die man im Segment Rock in den letzten Jahren nur selten ohne Fremdschämeffekt wahrnehmen konnte. In Summe sind die beiden Songs richtungsweisend für den weiteren Verlauf des Albums, in dem harter Tobak und potentielle Singles immer wieder aufeinandertreffen. Der Vergleich zu Florence And The Machine liegt auf der Hand, doch auch wenn Hayley stimmlich nicht ganz mit der Britin mithalten kann, haben die Songs eine deutlich stärkere Substanz, wirken durchdachter und hinterlassen einen tieferen Eindruck.

Prisoner ist ein episches, anspruchsvolles und extrem mutiges Debüt, welches so gut wie alles richtig macht und das trotz fast einer Stunde Spielzeit kaum Längen aufweist. Dank halbwegs eingängiger Songs wie „Horsehead“, „Austerlitz“ oder „Catch Me“ punktet es schon im ersten Durchlauf, doch um die wahre Größe des Albums zu erkennen, muss man sich Zeit lassen. Verdient haben es sich die jungen Australier allemal.

Marcel Eike

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