Rezension

The Avalanches

We Will Always Love You


Highlights: The Divine Chord // We Go On // Music Makes Me High // Running Red Lights
Genre: Plunderphonics // EDM // Rap // Funk
Sounds Like: The Go! Team // Daft Punk // Jamie xx

VÖ: 11.12.2020

Ein neues The-Avalanches-Album nach nur vier Jahren? Zwischen dem sommerlich träumerischen Debüt „Since I Left You“ und dem großstädtischen Trubel des Nachfolgers „Wildflower“ lagen immerhin ganze sechzehn. Für die Australier ist jedenfalls klar, wohin der Weg führt: „We Will Always Love You“ nimmt uns mit auf eine Reise zwischen Leben und Tod, direkt in die Weiten des Alls.

In glitzernden, warmen Tönen spannt sich die sternenbesprenkelte Klanglandschaft in 25 Tracks und fast 72 Minuten von Horizont zu Horizont. Es ist ein Album, das auch als solches gehört werden will. Die Lieder und Interludes, Stimm-Samples und der Gesang gehen ineinander über, vermengen sich zu etwas Größerem, das oft bedeutungs- und hoffnungsvoll klingt, manchmal aber auch droht, ins Rührselige abzurutschen. Inspiriert von den Golden Records, die seit 1977 mit der Raumsonde Voyager unterwegs sind, spielen sich die Songs wie kurze Szenen vor dem inneren Auge ab. Geisterhafte Charaktere tauchen aus dem Dunkel auf, um uns von der Liebe, den Menschen und der Zukunft zu erzählen, und verschwinden wieder in den Spiralnebeln.

Wie schon auf „Wildflower“ würde eine vollständige Auflistung der Featuregäste den Rahmen sprengen – Blood Orange, MGMT, Tricky, Jamie xx, Denzel Curry, Kurt Vile und Rivers Cuomo sind dabei, um nur eine Auswahl zu nennen – aber alle tragen zur rauschenden Atmosphäre von „We Will Always Love You“ bei. Auch wenn Sampling immer noch einen wichtigen Teil der Arbeit von Robbie Chater und Tony Di Blasi ausmacht, verlassen sie sich mehr als je zuvor auf eigens eingespielte Studioaufnahmen der Sänger:innen und Instrumente. Nicht weniger verzaubernd wird der collagenartige Avalanches-Sound damit in gängige Pop-Bahnen geleitet.

Die Bandbreite an Genres, die dabei einfließen, ist beeindruckend: Entrückter Trip-Hop („We Will Always Love You“), verspielter Disko-Pop („The Divine Chord“), druckvoller Rap („Take Care In Your Dreaming“), außerirdischer Folk („Gold Sky“), dazu Funk, Soul und House. Die Liste ist lang, sie fügen sich aber subtiler als auf den Vorgängern ineinander. Offensichtliche Hit-Höhen wie „Frontier Psychiatrist“ oder „Frankie Sinatra“ erreicht eigentlich nur „Wherever You Go“, das vom Jamie-xx-typischen Bounce vorangetrieben wird. Das Gefühl, etwas würde fehlen, hat man trotzdem nicht.

Wie Daft Punk mit ihrer Space-Odyssee „Interstella 5555“ bauen sich The Avalanches mit „We Will Always Love You“ ein eigenes Universum, das beim Zuhören Räume öffnet, die 2020 vielleicht besonders eng und bedrückend wirkten. Dass die 72 Minuten dabei wie auch das ganze Jahr schon länger wirken können, als sie tatsächlich sind, sei ihnen vergeben.

Marc Grimmer

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Video zu "Wherever You Go"
Video zu "Music Makes Me High"
Video zu "The Divine Chord"

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