Rezension

T.Raumschmiere

I Tank U


Highlights: I Tank U // E // Animal Territory
Genre: Electronoiserock
Sounds Like: Deichkind // Trent Reznor // Alec Empire

VÖ: 19.09.2008

Electroclash und Party-Electro brauchten nach dem Big-Beat-Höhenflug in den 90ern eine ganze Weile, um in den 00er Jahren das größere rockende Publikum zu begeistern. Den Braten früh gerochen hatten die ehemaligen HipHopper Deichkind. Zu einer Zeit, als noch nicht jedes Schützenfest von deren Musik beschallt wurde, genoss auch T.Raumschmiere in den gleichen Kreisen wie die Deichkinder einen gewissen Ruhm – ebenso wie sein (aka Marco Haas) Label Shitkatapult (Apparat, Das Bierbeben etc.).

Nachdem T.Raumschmieres letzte Alben auf Mute erschienen, veröffentlicht Haas das neue Werk „I Tank U“ mittels des eigenen Shitkatapults. Das Lesen der Features löst einige Schlüsselreize aus – Deichkind, Puppetmastaz, Warren Suicide –, die suggerieren, uns erwarte Party, Party, Rave, Rave, Spaß, Yippie Yippie Yeah und Remmi Demmi. Andererseits verwirrt, Tim Vanhamel (dEUS, Millionaire) als Sänger erwähnt zu finden. dEUS vs Deichkind gäbe als verfälschende Vereinfachung auch ein gutes Fazit zu „I Tank U“. Sehr heterogen, damit natürlich oft überraschend, vor allem jedoch fordernd (oder gar anstrengend) dringt T.Raumschmieres aktueller Output in unsere Ohren.

Die erste – bessere oder zumindest überzeugendere – Albumhälfte dominieren düster dröhnende Electronica („I Tank U“, „E“), Industrialpop („The Front Row Is Not For The Fragile“, „Crack A Smile“) und das auf die zwölf gehende, kopfnickende Puppetmastaz-Feature „Animal Territory“. „111 kg DNA“ kommt zwar klanglich ähnlich daher, Barbara Panthers Vocals klingen dann aber doch zu sehr nach Uffie oder The Ting Tings. Verschrobener folgt „Pedal To The Metal“, doch der Funk zerbricht die bis hierhin doch fesselnde Albumdynamik. Mit „Untilted“ und „Brenner“ schließt die Phase an, mit der offenbar die alte Klientel bedient werden soll. Wo „Untilted“ noch einen extrem vielschichtigen, kaum durchdringbaren Backingtrack besitzt, versucht „Brenner“ ganz offensichtlich, die Ed-Banger- und Deichkind-Meute anzusprechen. Nervende Deichkind-Texteskapaden sind nichts Neues, doch so Brechreiz auslösend wie hier klangen sie selten.

Der nächste Bruch beschließt das Album. Zunächst darf Tim Vanhamel in „What Are You Talking About“ kreischen, wie es ihm gefällt, bevor die „Nuclear Bedtime Story“ den Schlussakkord setzt zu diesem Industrial-Noise-Album, auf das sich irgendwie Deichkind eingeschlichen haben. Ohne einen Hit, ist „I Tank U“ mit den Kindern vom Deich doch eher … ähm … naja.

Oliver Bothe

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