Rezension

Sport

Aus Der Asche, Aus Dem Staub


Highlights: Dünnes Eis // Sattelt die Hünher, wir reiten nach El Paso // Der Tanz
Genre: Indie // Alternative-Rock
Sounds Like: Kante // Klez.E // Blumfeld

VÖ: 27.01.2012

2:2! Alles andere als zu erwarten. Aber nun tatsächlich der Ausgleich. Getroffen hat die Melodie-Fraktion der Instrumente des Trios Sport. Die kam nämlich bislang nur auf einen Zähler. Jetzt ist die zweite Gitarre am Start, die Rhythmusabteilung bekommt mehr Gegengewicht. Klartext: Sport haben einen neuen Gitarristen im Team. Für jede Band ein großer Schritt. Nur: ändert’s was? Und falls ja: Ist das nach dem starken „Unter Den Wolken“ überhaupt nötig?

Eins nach dem anderen: Ja, Sport räumen auf „Aus Der Asche, Aus Dem Staub“ ihr Oberstübchen um. Die vier Hamburger nutzen den neuen Sechssaiter aber nicht zum Schrammeln. Die gehen wie noch nie ins Detail. Abgekämpft schreitet das kalte „Dünnes Eis“ weiter und weiter voran, einzelne Piano-Tasten mausern sich zu verspielten Läufen, während Bass und Schlagzeug mechanisch den seicht treibenden Beat halten. Klingt klar nach Kante. Was schon skurril ist, spielt Sport-Sänger Felix Müller da schließlich auch Gitarre.

Ebenfalls obskur: Sport wirken trotz Personalwachs so, als hätten sie abgespeckt. Weg sind die schweren Riffs des Vorgängers, eine warme Dunkelheit scheint sie vertrieben zu haben. An ihre Stelle stehen nun tapsige Indie-Rocker wie „Der Tanz“ oder flotter Pop mit Punk-Dosis („Reitet Die Hühner, Wir Reiten Nach El Paso“). Viele Richtungen, noch mehr Wege – und Sport gehen sie alle mit Freude. Und das mit einer Lockerheit, die fast schon selbstverständlich wirkt, als spielten sie schon ewig zu viert und ihr viertes Album wäre halt so nebenbei entstanden. Das, liebe Trittbrettfahrer im Indie-Rock, nennt sich „Stil“.

Die Abgeklärtheit speist Müller auch in seine Texte. Fast schon weise wirkt er. Obwohl er wenig Konkretes preisgibt – der Mann legt einen Zugang in sein Inneres. Wenn er im unheimlichen „Wir Wollten Nur Mal Hören“ einfach mal durchruft, um zu hören, wie’s so geht, oder mit dem Album-Höhepunkt „Reitet Die Hühner, Wir Reiten Nach El Paso“ klug über Warten und Aufbruch sinniert. „Vielleicht mal später, es ist doch gerade okay“, heißt es da vor unterkühlter Gitarre – als zeigen die Zeilen die Band vor ihrem gewagten Wandel. Um im Bild zu bleiben: War schon nett dort, wo Sport sich früher so rumtrieben. Aber dieses El Paso hat auch was. Stellt sich allerdings erneut die Frage: Bleiben oder Aufbrechen?

Gordon Barnard

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