Rezension

Spain

Carolina


Highlights: The Depression // Lorelei // Station 2
Genre: Americana // Country
Sounds Like: Mark Eitzel // Lambchop // Tindersticks // American Music Club

VÖ: 10.06.2016

Josh Haden ist mit seinem Projekt Spain zurück, um mit „Carolina“ mächtig Americana-Melancholie zu verbreiten. Zwar lässt Haden hier und da mal ein wenig Licht rein („Lorelei“), die Grundstimmung bleibt aber düster und Muskelkater vom Rotweinglasschwenken ist vorprogrammiert. Dass in den Songs so viel Trauer liegt, hat natürlich einen ernsten Grund: Vater Charlie Haden, einer der bedeutendsten Kontrabassisten des 20. Jahrhunderts, starb wenige Wochen vor seinem 77. Geburtstag.

„Carolina“ ist die Aufarbeitung dieses Verlusts von seinem Sohn und dürfte vor allen Dingen textlich das bisher intimste Album von Spain sein. In „Station 2“ erzählt Haden beispielsweise von seiner Kindheit in Malibu, auf der Strecke gebliebenen Freundschaften und seiner verlorenen Jugendliebe, die natürlich „Carolina“ heißt. Die anderen Geschichten sind oftmals komplex und spielen in anderen Zeitebenen. Bei genauerer Betrachtung ist aber immer der Bezug zu Haden und seinem Vater erkennbar. Trauerarbeit kann auch mit Abstraktion geschehen.

Musikalisch bewegen sich Spain größtenteils im Americana-Genre, bisweilen schimmern aber auch immer wieder Country-Einflüsse durch, wenn Pedal-Steel oder Banjo das Ruder übernehmen. Früher war die Band noch hinter Low einer der Vorreiter des Slowcore. Heute passen Spain kaum noch in die Schublade rein. Es ist Musik für etwas ältere Männer (und Frauen) geworden, die gerne mal seufzend in Erinnerungen schwelgen und sich dabei einen Drink genehmigen. „Carolina“ ist ein Album für ruhige Momente und den richtigen Augenblick. Denn hierfür muss man in der richtigen Stimmung sein, sonst könnte man schnell auf die Idee kommen, Spain langweilige Eintönigkeit vorzuwerfen.

Benjamin Köhler

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