Rezension
Soulsavers
The Light The Dead See
Highlights: In the Morning // Presence of God // I Can't Stay // Take
Genre: Alternative // Pathos-Pop // Blues
Sounds Like: Depeche Mode // Get Well Soon // Johnny Cash
VÖ: 18.05.2012
Waren es im Barockzeitalter meist noch klassische Vanitas-Symbole wie Totenschädel, Sanduhren oder erloschene Kerzen, die den Menschen die Vergänglichkeit des Lebens bewusst machen sollten, reicht heutzutage schon ein Albumcover, das ein von Geisterschwaden umklammertes Grammophon sowie den unheilvollen Titel "The Light The Dead See" ziert, um einem visuell höchst eindrucksvoll die Unvermeidlichkeit des Todes vor Augen zu führen. So ahnt man auch schon vor dem Einlegen der Platte, dass es sich beim bereits vierten Werk der Soulsavers wohl kaum um einen Anwärter auf das Sommeralbum des Jahres handeln wird.
Schon der unheilschwangere Opener "La Ribera", der mit seinem Hang zu cineastischem Pathos unwillkürlich Ennio Morricone in Erinnerung ruft, und die einleitenden Zeilen des nicht minder düsteren "In the Morning" ("The leaves are falling, it's in your nature") bestätigen diesen Eindruck. Durch die schwermütigen Vocals und bitterehrlichen Texte von Gastsänger Dave Gahan, der hier absolut souverän in die Fußstampfen von Mark Lanegan tritt, wird dem von melancholischen Streicher-Arrangements geprägten Sound des britischen Duos noch zusätzlich eine äußerst bedrückende Stimmung eingeflößt, die sich durch das gesamte Album zieht. Denn wie schon sein Vorgänger hatte auch der Depeche-Mode-Frontmann in seinem Leben schon mit einigen Dämonen zu kämpfen. Von Drogensucht über Nahtoderfahrungen bis hin zu seiner Krebserkrankung im Jahr 2009, hat Gahan Grund genug, sich auf "The Light The Dead See" nun endlich mal so richtig das Herz auszuschütten.
Soulsavers ist insoforn ein überaus treffender Bandname seiner Kollaborateure, als Gahan mit jedem gemeinsam geschaffenen Song, in dem er sich so freimütig mit seiner turbulenten Vergangenheit und gepeinigten Seele auseinandersetzt, zunehmend geläutert wirkt. Während sich im unter die Haut gehenden "Presence of God" und dem selig vor sich hin summenden "Just Try" noch alles um seine zwiespältige Beziehung zu Gott dreht, hält er sich in "Bitterman" im wahrsten Sinne des Wortes selbst den Spiegel vor ("There's a face in the mirror that I don't understand / See the one that I wear is not who I am") und kommt schließlich zu der Erkenntnis "I made up my mind, and I want to stay". Im verhältnismäßig minimalistischen "Take", das zu den stärksten Stücken des Albums gehört und mit seinen Klavier-Arpeggios ein wenig an Beethovens Mondscheinsonate erinnert, singt er ebenfalls Tacheles: "The choices you make and the demons you wake must be fought […] there's a price that you pay with the games that you play with that devil". Bei solchen Lyrics drängen sich natürlich nahezu zwangsläufig Vergleiche mit Country-Legende Johnny Cash auf, rein musikalisch muten aber insbesondere Songs wie das von einem inbrünstigen Frauenchor begleitete "Longest Day" vielmehr sehr cohenesk an.
Am Ende scheint Gahan im erstaunlich beschwingten Schlusstrack "Tonight" tatsächlich seine Erlösung zu finden, singt er doch voller ungewohnt optimistischer Überzeugung: "We can change it all tonight." Für ihn selbst waren die selbsternannten Seelenretter also offenbar genau die richtigen musikalischen Komplizen. Für den Hörer hingegen ist "The Light The Dead See" das richtige Album zur falschen Zeit, was aber nicht allzu tragisch ist. Denn der Herbst wird schon noch kommen – was man vom Sommer ja leider nicht immer behaupten kann.
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