Rezension

Sohn

Tremors


Highlights: Tremors // Bloodflows // Lights // Artifice
Genre: Indietronic // Dreampop
Sounds Like: James Blake // Antony & The Johnsons // The XX // Moderat

VÖ: 04.04.2014

Dass jemand aus Wien (hier könnte auch irgendeine andere Stadt stehen) sein musikalisches Exil im oftmals Nabel der Musikwelt genannten London sucht, ist nichts Ungewöhnliches, andersherum jedoch eher selten. Christopher Taylor ging diesen Weg und nach ersten hochgelobten EPs erscheint nun mit „Tremors“ das Debüt des Engländers unter seinem Pseudonym SOHN. Inwieweit Wien nun in Taylors Lebenswelt eine Rolle spielt – musikalisch jedenfalls orientiert sich „Tremors“ am aktuell angesagten Indietronic/Dreampop britischer Ausprägung. Vergleiche, die oft gezogen und in gewisser Weise auch nachvollziehbar sind, sind James Blake oder The XX.

Was SOHN allerdings Genannten und Artverwandten voraus hat, ist ein deutlich vorhandener Hang zum Pop. Nicht so pompös wie Woodkid, allerdings auch weniger komplex und kopflastig als James Blake. „Tremors“ versammelt elf synthielastige Popsongs, zu denen Taylor mit ruhigem Falsett agiert. Einige davon, wie die bekannte Single „Bloodflows“ oder der Titeltrack, stechen in Sachen Hitpotential und Eingängigkeit hervor, der Rest bildet eine homogene Masse entspannter Soundcollagen, in denen Taylor seine melodiösen Gesangsparts einstreut.

„Tremors“ ist auch deswegen so gelungen, weil es ein Konsensalbum sein dürfte. Taylor singt hoch, übertreibt es aber nicht. Wem Antony Hegarty zu abgehoben ist, der findet in SOHN möglicherweise seinen Sound. Wem The XX zu reduziert, Woodkid zu aufgebauscht und eben Blake oder Jaar zu viel ihre Stücke zerhäckseln, dem wird an diesem Album gefallen, dass jeder Song seinen roten Faden hat. „Tremors“ ist ein guter Querschnitt all jener Sounds geworden, denen es gerade gelingt, eingängige elektronische Musik aus der Discoecke zu holen – um sie dann wieder, in neuer Form, genau dorthin zu bringen.

Klaus Porst

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