Rezension

Soccer Mommy

Clean


Highlights: Cool // Blossom (Wasting All My Time) // Scorpio Rising
Genre: Singer-Songwriter // Lo-Fi // Indie Pop
Sounds Like: Jay Som // Japanese Breakfast // Fazerdaze

VÖ: 02.03.2018

Ab wann ist man ein Nachzügler? Von Frauen gemachte, an die Neunziger angelehnte Indiemusik liegt seit einigen Jahren im Trend. Die zwanzigjährige Sophie Allison nimmt unter dem Namen Soccer Mommy in Eigenregie Musik auf. Ein Wunderkind also. Nach Bandcamp-Veröffentlichungen und einer Compilation folgt nun das Studiodebüt „Clean“ auf Fat Possum Records.

Beim Anhören der ersten Songs „Still Clean“ und „Cool“ ist man fast versucht, „Clean“ als weiteren Trendreiter abzutun und die Musik von Allison in eine Reihe mit Fazerdaze und Hazel English zu setzen. Nett, teils packend, aber halt auch schon unzählige Male gehört. Fast, da das Album spätestens mit dem großartigen „Blossom (Wasting All My Time)“ einen ungewohnt intimen Tonfall annimmt und das tradierte Slackertum gegen eine Heimeligkeit eintauscht, die an frühen Sadcore erinnert. Damit rückt Allison in die Nähe von Cat Power, bevor diese die große Popgeste ins Visier nahm – und wird damit ungleich spannender und interessanter als die Riege ähnlicher Künstlerinnen. Auch „Scorpio Rising“ schlägt in diese Kerbe. Je öfter man das Album durchlaufen lässt, desto stärker fällt auf, wie hier tradierte Rockklischees aufgebrochen werden. Das ist besonders auf „Your Dog“ der Fall, welches natürlich gleich Assoziationen zu Iggy Pop aufwirft, um sie dann gleich mit „I don’t want to be your fucking dog“ abzuschütteln und sich vom Großonkel der Rebellionsmusik zu emanzipieren.

Klar, eine Vorreiterrolle nimmt dieses Album nicht ein. Trotzdem ist die Vielseitigkeit von „Clean“ bewundernswert. Das Album ist gleichzeitig intim, introspektiv und aufmüpfig. Und: Ein guter Song bleibt ein guter Song. Darum sollte es schlussendlich immer gehen.

Yves Weber

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