Rezension

Sløtface

Try Not To Freak Out


Highlights: Magazine // Sun Bleached // Pitted
Genre: Pop-Punk
Sounds Like: Letters To Cleo // Be Your Own Pet // Los Campesinos!

VÖ: 15.09.2017

Es soll ja immer noch Menschen geben, die glauben, dass Feministinnen ein Haufen grantiger alter Weiber sind, die keinen Spaß verstehen und ihre Tage damit verbringen, BHs zu verbrennen und pedantische Leserbriefe an Zeitungen zu schreiben. Vielleicht hilft bei so viel Ignoranz, mal in das neue Album von Sløtface reinzuhören.

"Try Not To Freak Out" ist nämlich in allererster Linie eine tolle Poppunkplatte, die ordentlich Spaß macht. Viele der Lieder würden sich extrem gut auf dem Soundtrack eines coolen Highschoolfilms machen. Und das nicht nur wegen der Energie, die die Norweger versprühen, sondern auch wegen der Texte, die sich mit Kindheit und Erwachsenwerden beschäftigen. Da drängt sich die Assoziation mit Letters To Cleo schon irgendwie auf. Sängerin Haley Shea schafft es dabei sehr gut, all die verwirrenden Emotionen der Adoleszenz in einfache Worte und packende Melodien zu verpacken. Und hier kommt jetzt auch der Feminismus ins Spiel: Vieles wird aus einer speziell weiblichen Perspektive beschrieben. Dass das zu Verständnisproblemen bei männlichen Hörern führen könnte, glaubt Shea nicht – immerhin haben ja auch jahrzehntelang weibliche Rockfans mit männlichen Sängern mitfühlen können. Und Erfahrungen wie die, dass man erst überhaupt keine Lust hat, auf eine Party zu gehen und sich dann großartig amüsiert ("Pitted") oder unzertrennbare Kinderfreundschaften ("Slumber") sind schließlich nicht nur einem Geschlecht vorbehalten. Manchmal geht es auch um klassisch feministische Themen wie problematische Hochglanzmagazine oder Schönheitswahn, aber auch das geschieht immer auf unterhaltsame Art und Weise.

Musikalisch gibt es bei "Try Not To Freak Out" nicht nur Poppunk zu hören. "Backyard Adventures" klingt ganz stark nach Los Campesinos! – nur ohne Xylophon. Und auch die Erfahrungen der einzelnen Bandmitglieder in Punk- und Hardcorebands scheinen immer wieder durch, was die Halbwertszeit, die bei Poppunk ja oftmals nicht so lang ist, enorm steigert. Sløtface machen Musik, die auf den ersten Blick etwas simpel wirkt, die aber tatsächlich sehr spannend und abwechslungsreich ist. Und sie schaffen es, wichtige Themen so geschickt zu verpacken, dass sie zugänglich werden, ohne dabei platt oder oberlehrerhaft rüberzukommen. Man darf gespannt sein, wo das in Zukunft noch hinführt.

Lisa Dücker

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Video zu "Magazin"
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Video zu "Pitted"

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