Rezension

Scott Walker + Sunn 0)))

Soused


Highlights: Herod 2014 // Lullaby
Genre: Noise // Drone
Sounds Like: Bohren & der Club Of Gore // Earth // Swans // Eagle Twin

VÖ: 17.10.2014

Eine der vielleicht experimentellsten Kollaborationen des Jahres ist die zwischen Scott Walker und Sunn O))). Auf der einen Seite ein 71-jähriger Komponist und Sänger, der bereits seit einem halben Jahrhundert Musik macht und sich vom anfänglichen Mainstream immer weiter verabschiedet hat, und dann: Sunn O))), die Meister des düsteren Basssounds. Ihr Drone ist so gewaltig und teilweise unhörbar, dass nicht jeder ein Konzert bis zum Ende durchsteht. Erstmals trafen die Protagonisten von „Soused“ 2009 anlässlich des Sunn-O)))-Albums „Monoliths & Dimensions“ aufeinander.

Über Jahre schrieb Walker danach weitere Texte, die sich irgendwann als wie geschaffen für Sunn O))) herausstellten. Schon der Beginn „Brando“ zeigt, wie anspruchsvoll die Soundlandschaften der beiden sind. Walker singt ein sehr hohes Falsett, dahinter dröhnt es, wie zu erwarten war, tief und grimmig. Stumpf allerdings ist dies nicht, da sich immer wieder verstörende Gitarrensoli und ein unruhiges Flackern hineinmischen. Die Entrücktheit des Ganzen hat nahezu infernalische Ausmaße, die Kollaborateure geben sich hier größte Mühe, eine zähe Apokalypse heraufzubeschwören. Ändern wird sich dies im Laufe der Platte selbstverständlich kaum, das um quietschende Trompeten und Violinen ergänzte zweite Stück „Herod 2014“ setzt wie die folgenden Songs den Stil fort. Lediglich Tempo und Art der Brachialität variieren. Sind die ersten beiden der fünf langen Stücke eher zäh, besticht „Bull“ durch eine enthemmtere Schwere mit heftigen Ausbrüchen. „Lullaby“ entfacht dagegen einen wahren Horrorsound, fiese, hochgestimmte Synthesizer treffen auf die üblichen Bässe und Sekunden der Stille, die nichts Gutes erahnen lassen.

„Soused“ ist so schwere Kost, dass es sich nahe an der Grenze zum Unhörbaren befindet. Allerdings loten gerade Sunn O))) diese Grenze ständig aufs Neue aus. In Walker haben sie einen kongenialen Partner gefunden, der perfekt zeigt, welche stimmliche Unterstützung statt des raren Gekreisches bei Sunn O))) denkbar ist. Im Gegenzug hat Walker die passgenaue Umsetzung seiner endzeitlichen und verstörenden Texte bekommen.

Klaus Porst

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Video zu "Brando"

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