Rezension

Salem

King Night


Highlights: King Night // Frost // Trapdoor
Genre: Witch-House
Sounds Like: †‡† // White Ring // oOoOO // Crystal Castles

VÖ: 19.11.2010

Vor ein paar Monaten wäre die Musik von Salem noch einfach so in die Dark-Wave-Schublade gesteckt worden. Seit sich ein paar Bands aber dazu entschlossen haben, Kreuz-, Dreieckssymbole und allerhand anderen Firlefanz in den Bandnamen zu packen oder, wie in diesem Fall, gleich mit dem Namen einen okkulten Bezug herzustellen, heißt das Genre jetzt ganz offiziell „Witch-House“. Oder für Nicht-Genrefanatiker: düstere, verzerrte Synthieflächen, zu denen man bestens die heimische Halloween-Party beschallen kann. Bevor aber jetzt gleich unnötigerweise die Knie schlottern, sei gesagt: alles halb so wild!

„King Night“ ist nämlich das musikalische Äquivalent zu jeder Gruselfilmreihe. Soll heißen: was sich zu Beginn noch interessant und atmosphärisch anhört, wird spätestens zum Ende hin immer langweiliger und seichter, weil die ohnehin schon spärlich vorhandenen Songideen bis zum Erbrechen immer und immer wieder wiederholt werden. Selbst auf der bereits erwähnten Halloween-Party fällt da die Scream-Maske in die Bowleschüssel, weil man beim Einschenken mal eben kurz eingenickt ist.

Zur Ehrenrettung von Salem soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass durch abwechslungsreiche Vocals dem musikalischen Einheitsbrei zumindest etwas von seiner Eintönigkeit genommen wird. So kommt dadurch zum Beispiel auch mal ein Song wie „Trapdoor“ heraus, der mit seinen Raps schon beinahe als Alternative Hip Hop durchgeht. Oder es gelingt, wie in „Frost“, Sängerin Heather Marlatt mal stimmlich etwas mehr Raum zu geben, was diese prompt mit herrlichem Schmachtgesang dankt.

Diese Momente bleiben aber so rar wie ein Vampir mit Blutallergie, so dass am Ende wenigstens die Erkenntnis bleibt, dass Witch-House mit Sicherheit schneller wieder im Sarg liegen wird, als es sich aus diesem erhoben hat. Gott sei Dank.

Benjamin Köhler

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