Rezension

Robyn

Body Talk Pt. 1


Highlights: Don't Fuckin' Tell Me What To Do // Fembot // Dancehall Queen // Jag Vet En Dejlig Rosa
Genre: Dance-Pop
Sounds Like: Uffie // Annie // Kelis // Lady Gaga

VÖ: 18.06.2010

Hat mal einer einen Gender-Spezialisten zur Hand? Eigentlich geht die neue Platte der Schwedin Robyn weit hinaus über die reine musikalische Rezeption. Um genau zu sein, ist die musikalische Rolle, die bei der Transformation Robyns zum Fembot eine Rolle spielt, eine vergleichsweise geringe, was die Qualität des Sounds in keinem Maße schmälert – im Gegenteil.

Letztlich bietet "Body Talk Pt. 2" einen astreinen Dancepop in retrofuturistischer Verkleidung – von den 80ern in die Zukunft. Songs wie "Dancing On My Own" beinhalten immer noch das Versprechen, das die 80er von der Zukunft machten. Hoffnungsvoll verklärte Zukunftsperspektiven suhlen sich in Roboterromantik. Der bessere, technologisch entwickelte Mensch dient als Projektionsfläche aller Hoffnung. Und hier knüpft Robyn dann auch mit ihrer Attitüde an: Sie ist der Fembot, die Schnittstelle zwischen Zukunft und Vergangenheit. Der weibliche Körper drängt durch seine Halbmechanisierung sozusagen auch physisch die Gleichberechtigung auf eine neue Ebene.

Die It-Girl-Mentalität Uffies und Co. wurde in den letzten Jahren von einer (je nachdem, wie man es sieht) Ent- oder Übererotisierung des Weiblichen abgelöst. Klar ist: "Fembots have feelings too", doch ebenso deutlich wird bereits symbolisch zu Beginn dieser Platte klargestellt: "Don't Fucking Tell Me What To Do". Denn so sehr die neue Garde der weiblichen Pop-Ikonen (Christina Aguilera, Janelle Monáe oder Kelis) mit der Robotisierung der Körperlichkeit kokettiert, so sehr stellen sie auch quasi im Sekundentakt klar, dass diese sich auf die Physis beschränkt, während die robotertypische Willenlosigkeit aufgelöst und ins absolute Gegenteil – die völlige, endlose Selbstbestimmung – gekehrt wird.

Diese Selbstbestimmung hat auf "Body Talk Pt. 1" natürlich auch musikalische Folgeerscheinungen. So schließt sich an den Dancepop zu Beginn der Platte mit "Dancehall Queen" und "None Of Dem" ein Dancehall-Kurzintermezzo an, das es in sich hat. "Hang With Me" ist hingegen eine großartige Up-Tempo-Ballade inklusive Streichern. Und zu guter Letzt kehrt die Schwedin mit "Jag Vet En Dejlig Rosa" noch einmal ihr Innerstes nach Außen und zeigt die schnörkellose Schönheit der schwedischen Sprache auf.

Am Ende haben wir eine kleine musikalische Reise vom Retro-Futurismus hin nach Skandinavien zurückgelegt, ohne es zu bemerken. Das ist fantastisch und an den Rest lassen wir jetzt die Gender-Spezialisten ran.

Andreas Peters

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