Rezension

Red Hot Compilation

Dark Was The Night


Highlights: The Decemberists – Sleepless // Yeasayer – Tightrope // My Brightest Diamond – Feeling Good
Genre: Alternativ // Indie // Singer/Songwriter
Sounds Like: Best Of Independent Music 20xx

VÖ: 13.02.2009

Man kennt das ja: Irgendwelche Künstler versammeln sich für irgendeinen prinzipiell sehr lobenswerten guten Zweck und nehmen zusammen ein Album auf, dessen Erlös ebendiesem zugute gereicht wird. So auch auf dem Sampler „Dark Was The Night“, der sogenannten Red Hot Compilation. Der gute Zweck hierbei: Kampf gegen Aids. Allein dies wäre die Investition der geschätzten Siebzehn Euro wert, die solche Zusammenstellungen kosten. Bleibt natürlich die Frage: Ist es auch hier, wie nahezu immer bei Benefizkollaborationen, der Fall, das es besser wäre, die Siebzehn Euro direkt zu spenden, anstatt sich kitschige Wir-machen-die Welt-besser Stücke am laufenden Band anzutun? Nun, „Dark Was The Night“ ist anders. Hier versammeln sich nicht irgendwelche Chartsbands, die von ihrer kurzweiligen Popularität profitieren, sondern Künstler, die eher dem Alternativ- oder Independent-Genre zugeordnet werden. Nahezu jede(r) halbwegs bekannte Künstler(in) dieses Genres ist hier zu finden. Ein kleiner Auszug: Jose Gonzales, Feist, The National, My Brightest Diamond, The Decemberists, Arcade Fire, Beirut, Cat Power, Yo La Tengo, Sufjan Stevens, Conor Oberst, Iron & Wine, Kronos Quartett und so weiter, und so fort. So eine Prominenzansammlung kann doch nur genial sein. Oder etwa nicht? Bei knapp vierzig Titeln wird doch sicher auch mal der ein oder andere verzichtbare zu finden sein? Wird Conor Obersts Gejammer wieder einmal die ganze Welt in Tränen zerfließen lassen? Fragen über Fragen, beantwortet (hoffentlich) in den nachfolgenden Zeilen.

Der Einstieg ist schon einmal denkbar schlecht. Die Stimme der Dirty-Projectors-Sängerin könnte nerviger nicht sein, Kollaborationspartner David Byrne passt sich dem auch noch an. Entspannter ist da schon Titel Nummer Zwei von The Books & Jose Gonzales, der immerhin mit einer schönen Violinenmelodie aufwarten kann. Die sanfte Stimme Bon Ivers zu düsteren Takten weiß auch zu überzeugen, ebenso das eingängige „Tighthrope“ von Yeasayer. My Brightest Diamond covert „Feeling Good“ und erzeugt damit einen Hauch von Eleganz auf dieser Ansammlung. Den Namensgebenden Titel der Compilation steuern Kronos Quartett bei, die - nicht wie sonst, in wunderschönen Streicherarrangements zu vergehen - in Manier eines Gustavo Santaolalla wüstenartige Gitarren/Streichersounds erzeugen. The Decemberists versuchen sich an einer schleppenden, achtminütigen Ballade und meistern diese Aufgabe sehr, sehr gut. Einen Überlängesong gibt es auch von Sufjan Stevens, doch dessen Elfminüter „You Are The Blood“ nervt mehr, als das er hörbar wäre.

Der zweite Silberling versucht gleich mit großen Namen zu überzeugen, Arcade Fire und Beirut folgen direkt hintereinander. Beide Stücke haben jedoch eher B-Seiten-Charakter. Immerhin aber noch überzeugender als die Traumschiff-Melodie, die My Morning Jacket auf „El Caporal“ verwenden. Highlights auf der zweiten CD sind Sharon Jones & The Dap Kings, die zwar nichts neu erfinden, aber immerhin Konsequent Soul und Funk der 60er verkörpern und das krude „With A Girl Like You“-Cover von Dave Sitek. Yo La Tengo gehen gesanglich gegen ein Klavier und Keyboard unter, was auch Seltenheitswert hat. Wer Cat Power oder den Song „Amazing Grace“ nicht mag, hat gleich doppelt Pech. „Happiness“ lautet die Bezeichnung für neun Minuten schon zig mal dagewesene Streichertöne von Riceboy Sleeps - scheinbar eine Sigur-Rós-Imitation mangels Beitrag dieser Band. Besser ist da Andrew Bird mit „The Giant Of Illinois“. Kurz vor Schluss gibt es dann noch einmal Conor Oberst auf die Ohren. Was soll man sagen? Conor Oberst eben. Trotz vieler Fehlschläge, die eigentlich nicht zu erwarten waren, aufgrund der Namen, die sie tragen, sollte man diesem Sampler durchaus einmal eine Chance geben. Ist schließlich für einen guten Zweck.

Klaus Porst

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