Rezension

Razorlight

Slipway Fires


Highlights: Wire To Wire // Hostage Of Love // 60 Thompson
Genre: Rockpop
Sounds Like: The Killers // The Kooks // Hard-Fi // The Wombats // Richard Ashcroft

VÖ: 20.02.2009

An Razorlight scheiden sich die Geister. Aufgrund der kurzen Phase Johnny Borrells als Libertines-Bassist war die Indieszene anfangs noch sehr neugierig auf Razorlight, das Debut „Up All Night“ dürfte in diese Richtung keine Enttäuschung gewesen sein und machte zudem mit der tollen Single „Golden Touch“ auf die Band aufmerksam. Spätestens mit dem selbstbetitelten zweiten Longplayer schnitten Razorlight aber die Indiewurzeln ab und wandten sich dem glatten Poprock zu. Die Verkaufszahlen legitimierten diesen Stilwechsel, statt drei UK-Platinalben gab es diesmal sogar vier. Die erste Kostprobe für "Slipway Fires" gab es dann durch die Anti-AIDS-Kampagne 46664 in Form des Songs „Hostage Of Love. Überhaupt sind Razorlight inzwischen hinter Bono die vielleicht am häufigsten vertretenen Künstler bei Benefizkonzerten (46664, Live Eight und Live Earth), doch im Gegensatz zu dem Iren sind Razorlight noch im Stande, alle zwei Jahre ein Album zu veröffentlichen.

Besser als mit “Wire To Wire“ könnte „Slipway Fires“ kaum anfangen. Johnny Borrells Pianoballade mit leichtem Gospeleinschlag hat alles, was ein Popsong braucht, und wird sicher noch das ganze Jahr im Radio rauf und runter gespielt. Auch „Hostage Of Love“ ist so ein Kandidat für die Airplay-Charts: diesmal wird zur Akustikgitarre gegriffen, durch den etwas zackigeren Rhythmus ein erster tanzbarer Song. „Tabloid Lover“ klingt sehr nach den 60ern, ist aber eher stupide, gesanglich anstrengend und textlich Mittelmaß: "Tabloid lover, one bed to another, tabloid lover, as bad as any other". „60 Thompson“ ist eine weitere gute Ballade, die im reduzierten musikalischen Gewand überzeugt, aber etwas kurz ist. Ob rockig oder balladesk, was man sonst auf „Slipway Fires“ zu hören bekommt, ist immer leicht überdurchschnittlich, doch selten springt der Funke so richtig über. „Blood For Wild Blood“ wirft dann noch die Frage auf, warum hier schon wieder „Wire To Wire“ im Refrain vorkommen muss. Als Schlusssong hätte man das vielleicht noch als witzige Idee à la "wie es anfängt, so soll es enden" interpretieren können, so ist es aber einfach nur nervig und unnötig. Stattdessen wurde als letzter Track „The House“ ausgewählt, wiederum eine Ballade, die aber zu sehr wie eine Kopie von „Wire To Wire“ klingt. Und so endet es dann doch fast so, wie es angefangen hat, nur eben nicht so gut.

Ist „Slipway Fires“ jetzt ein gutes oder ein schlechtes Album? Hier ist die Perspektive entscheidend: Wer vorher schon Fan war, kann gefahrenlos zugreifen, wem die Singleauskopplung gefällt, ebenso, doch für die meisten Hörer mit einem Spektrum oberhalb des Radiodurchschnitts dürfte hier nicht viel zu entdecken sein.

Marcel Eike

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