Rezension

Rancid

Let The Dominoes Fall


Highlights: I Ain't Worried // Up To No Good // Dominoes Fall // That's Just The Way It Is Now
Genre: Punk
Sounds Like: The Clash // Ramones // Social Distortion

VÖ: 29.05.2009

Warum hacken eigentlich immer alle darauf herum, dass die Punk-Musikszene quasi nur aus drei Akkorden zusammengebaut ist? Um sich zu vergegenwärtigen, wie groß die Kombinationsmöglichkeiten auch hier sind, nehme man nur die DNA als Beispiel: Vier verschiedene Nukleotide ergeben, immer anders zusammengemixt, alles denkbare Leben, von Gorilla und Schneegans bis hin zu Pantoffeltierchen und Sarah Palin. Falls nötig, sollte also auch Punkmusik abwechslungsreich genug sein können. Und wenn man das nicht nötig hat und trotzdem gut ist, spielt man vielleicht in einer Band namens Rancid.

Denn es ist schon irgendwie frech, was die Band nun auch auf „Let The Dominoes Fall“ wieder teilweise für Songs versammelt hat, die – freilich weniger glockenklar produziert – auch vor 35 Jahren schon von den Epigonen des Genres denkbar gewesen wären und die trotzdem noch spaßig und frisch klingen. Ganz allgemein ist es verblüffend, wie perfekt sich manche Lieder in das Oeuvre anderer Punkbands eingefügt hätten: So fehlt „Damnation“ eigentlich nur noch ein „1-2-3-4!“ zu einem typischen Ramones-Song und „I Ain't Worried“ wird wohl so manchen dazu veranlassen, mal wieder „London Calling“ aus dem Schrank zu kramen – beim Rezensenten hat's schon geklappt.

Doch zu sagen, Rancid – immerhin selber eine der wichtigsten Punkbands der letzten anderthalb Dekaden – hätten sich nur munter durch die Musik ihrer Wegbereiter gewühlt, wäre falsch, da auch weitaus eigenständigere Songs zu den Highlights des Albums zählen: „Up To No Good“ mit seinem Booty-Shakin'-Ska-Rhythmus, „Dominoes Fall“ mit fast schon zu eingängigem „Na Na Na Na, No No No No“-Refrain und T(I)NC-Gedächtnisorgel sowie „That's Just The Way It Is Now“ mit dezenten Lo-Fi-Bläsern.

Ein Kunststück, das Rancid jedoch nicht ganz gelingt, ist ein 19 Tracks umfassendes Album zusammenzustellen, von denen wirklich keiner unnötig erscheinen würde. Oft wird das Problem zwar dergestalt umsegelt, dass ein Song einfach nur knapp bis anderthalb Minuten dauert und so kaum Zeit hat, langweilig zu werden (Beispiel: „You Want It, You Got It“ - Gegenbeispiel: Der schnarchige Low-Tempo-Song „Civilian Ways“, mit vier Minuten der mit ziemlichem Abstand längste Song), andererseits kann auch diese Methode nicht verhehlen, dass das eine oder andere Lied eben doch nicht mehr als relativ unspannender Drei-Akkorde-Punk ist. Noch etwas, was Rancid vielleicht bei den Ramones gelernt haben...

Jan Martens

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