Rezension

Pink Floyd

The Endless River


Highlights: Skins // Things Left Unsaid
Genre: Ambient
Sounds Like: Pink Floyd // David Gilmour // Roger Waters // Porcupine Tree // Darkside

VÖ: 07.11.2014

Zu meinem 22. Geburtstag bekam ich von meiner damaligen Freundin zwei Tickets für Pink Floyd geschenkt. Zwar nicht die originalen Pink Floyd, auch nicht eine der mittlerweile fast in genauso großen Hallen spielenden Coverbands, sondern für ein obskures „The Wall“ in einer alten Sternwarte. Ein durchaus logisches Geschenk, zwei Monate vorher konnte ich nämlich Roger Waters mit einem großartigen „The Dark Side Of The Moon“ und Best-Of-Set erleben. Also saßen wir eines Abends in einem Planetarium und warteten auf „The Wall“. Diese kam dann auch, wenn auch nicht so wie erwartet. Es lief eine an das Original-Setting angelegte Comicinterpretation, dazu erklang Pink-Floyd-ähnliche Musik. Instrumental klang das eher nachgespielt als Original.

„The Endless River“ heißt nun das neue Album von Pink Floyd, also das, was David Gilmour und Nick Mason aus alten Demoaufnahmen für das 1994er-Werk „The Division Bell“ noch herausholen konnten. Viele der Aufnahmen sind insbesondere dem verstorbenen Keyboarder Richard Wright zu verdanken, dessen breite Flächensounds eines der Erkennungsmerkmale der Band waren. 18 Songs, die eigentlich keine sind, hat „The Endless River“, denn eines fehlt irgendwie schmerzlich – der Gesang. Obwohl Gilmour mitgearbeitet hat, beinhaltet nur eines der Stücke, nämlich der letzte Track „Louder Than Words“, hörbar einige Zeilen. Auf anderen Tracks ist er samt einiger Damen zwar als Backgroundsänger verzeichnet, man muss die Gesangsspuren aber wie die Nadel im Keyboardhaufen suchen. Leider klingen Pink Floyd dadurch eben genau so wie oben beschrieben – wie eine in die Jahre gekommene Coverband ihrer selbst.

„The Endless River“ ist somit weniger als ein Album, eher eine nette Ergänzung zu „The Division Bell“, die dessen überklebten Bombast (was durchaus nichts Schlechtes ist) in sich trägt. Würde man den heute üblichen Weg des Re-Releases nach 20 Jahren samt Bonusdisc gehen – „The Endless River“ wäre keine schlechte Ergänzung. So gehen „Pink Floyd“ allerdings den steinigen Weg – instrumentale Selbstcover, die zeitweise erschreckend blutleer klingen.

Über allem schweben von der ersten Sekunde an die eigenen Referenzen. „Shine On You Crazy Diamond“ – klar. Nur fehlt eben der Part, in dem die Atmosphäre gebrochen wird – durch eine Stimme. Bei „Allons-(y)“ spult der Kopf schon weiter und möchte die Zeilen eines bekannten „The Wall“-Stückes singen, nur dass hier nach zwei Minuten Intro das nächste Outtake beginnt. „Skins“ wagt Ausflüge in die frühen Tage der Band, instrumental absolut gelungen, nur ist auch hier nach zweieinhalb Minuten Schluss. „The Endless River“ ist ein einzelner fließender Strom an Keyboard- und Gitarrensoli; dass zwischenzeitlich ca. alle zwei Minuten die Titelnummer um eines ansteigt, merkt man nur, wenn man darauf achtet. Alles fließt langsam und gemächlich einem Ende entgegen, welches eben „Louder Than Words“ ist.

Dabei hat „The Endless River“ in so einigen Momenten das Potential für ziemlich gute Songs. Wirklich niemand hat von Pink Floyd 2014, die Pink-Floyd-Aufnahmen von 1994 nachbearbeiten, die Neuerfindung des Rades erwartet, wohl aber mehr, als dass diese die Keyboardskizzen Wrights um Gitarrensoli ergänzen und das Resultat Album nennen. Daher steht an dieser Stelle die Bitte: Nehmt den ganzen Kram wieder mit in das Studio, erfindet ein paar schöne Songzeilen (ein neues „Wish You Were Here“ erwartet niemand) und nehmt bestenfalls noch Waters dazu. Dann, Pink Floyd, veröffentlich ihr bitte nochmal ein würdiges Album, um diese Bandkarriere zu beenden.

Klaus Porst

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