Rezension

Peter Broderick

Colours Of The Night


Highlights: Colours Of The Night // Red Earth // Our Best
Genre: Singer-Songwriter // Folk
Sounds Like: Owen Pallett // Sufjan Stevens // Elliott Smith

VÖ: 24.04.2015

Erschöpfung, Kraftlosigkeit, Depression, Burnout. Beim Hören von „Colours Of The Night“, dem neuen Album von Peter Broderick, ist es kaum vorstellbar, dass sich der 28-jährige Singer-Songwriter in letzter Zeit mit genau diesen Dingen auseinandersetzen musste. Zu groß war zuletzt der Druck geworden, den sich der Multi-Instrumentalist Broderick vor allem selbst auferlegt hat. Den eigenen Anspruch, alle Instrumente auf seinen bisherigen Alben selbst einzuspielen, die unzähligen Kollaborationen mit anderen Künstlern und nicht zuletzt die Aufnahmen und die hoch ambitionierten Live-Experimente anlässlich seines letzten Albums "http://www.itstartshear.com" waren am Ende nicht mehr mit den Funktionen seines Körpers zu vereinbaren. Was folgte war eine längere Krankheitsphase, im Anschluss Monate der Selbstfindung und schließlich die Erkenntnis, am eigenen künstlerischen Schaffen gravierend etwas ändern zu müssen, um überhaupt jemals wieder ein Album aufnehmen zu können.

Das Ergebnis dieser Wandlung ist nun nach einer dreijährigen Pause auf „Colours Of The Night“ zu hören. Zum ersten Mal schrieb Broderick dabei die Songs des Albums nicht komplett allein, sondern wurde von Musikern aus Luzern unterstützt, die er während vergangener Touren kennengelernt hat. Zwar kam Broderick zunächst wieder mit einer Vielzahl von Songideen an, bezog die Band jedoch dieses Mal in den kreativen Prozess mit ein und ließ ihr auch den Raum und die Freiheit, eigene Ideen zu verwirklichen. Herausgekommen ist so ein buntes Potpourri verschiedener Genres, angefangen beim folkigen Titeltrack „Colours Of The Night“, über das countrylastige „Our Best“ bis hin zum Instrumentalstück „Rotebode“.

Die Tatsache, dass es Broderick gelungen ist, von seinen bisweilen eher starren und konkreten Songvorstellungen abzuweichen, machen „Colours Of The Night“ zu einem abwechslungsreichen und äußerst vielseitigen Album, auch wenn dieses Mal die ganz großen Songs leider ausbleiben. Doch das verzeiht man ihm gerne, denn nach den schweren Monaten, die hinter ihm liegen, überwiegt dieses Mal einfach nur die Freude, dass uns der Mann aus Maine nach drei langen Jahren endlich wieder ein Album beschert hat.

Benjamin Schneider

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