Rezension

Palms

Palms


Highlights: Future Warrior // Shortwave Radio
Genre: Post-Metal // Alternative
Sounds Like: Isis // Team Sleep // Deftones

VÖ: 21.06.2013

Wenn sich drei Fünftel der 2010 aufgelösten Isis mit einem der wohl besten Vokalisten der Alternative-Rock-Szene zusammentun, kann dabei eigentlich nicht viel schief gehen. Schon gar nicht, wenn das Produkt der beiden Parteien dann im Endeffekt sogar noch tatsächlich so klingt, wie man sich das ungefähr vorgestellt hatte. Und dennoch ist das Debüt der „Supergroup“ Palms irgendwie nicht zufriedenstellend geworden. Warum dem so ist, liest sich auf einen Satz herunter gebrochen paradox: die Band wollte zu viel UND zu wenig.

Zu wenig, weil sie die beiden herausragenden Stärken von Isis und Chino Moreno als Sänger der Deftones nicht übernommen hat. Aaron Harris (Drums) und Jeff Caxide (Bass), das Rhythmusgespann, sonst bekannt für druckvollen Sound, der die Brachialität ihrer Hauptband ausmachte, geht auf den meisten Songs leider komplett unter. Gerade mehr Tiefton hätte dem ein oder anderen Stück sehr gut getan und dem eher verhaltenen Post-Metal einen dringend benötigten, mächtigeren Anstrich verpasst. Viel schlimmer wirkt aber, dass sich Moreno, warum auch immer, deutlich zurücknimmt. Nur ganz selten bricht er mal aus sich heraus, wie beispielsweise beim herausragenden „Future Warrior“, in dem er im Refrain seine ganze Klasse zeigt und den so typischen, gänsehauterzeugenden „Deftones-Moment“ aus dem Hut zaubert.

Zu viel auf der anderen Seite, weil die Band unnötigerweise zu viele nicht zu Ende gedachte Ideen auf das Album packt. Das Paradebeispiel ist hier das zehnminütige „Mission Sunset“. Genau in der Mitte der Tracklist platziert, soll es wohl den dramaturgischen Höhepunkt geben. Stattdessen bekommt man gefühlte zwanzig Songfragmente an den Kopf geworfen, die zwar allesamt gut klingen, aber keinerlei Bezug zueinander haben, geschweige denn ein Songkonzept in ihrer Gesamtheit verkörpern. Auch nicht nachvollziehbar ist zudem, warum Palms für die letzten beiden Stücke ihren Sound verändern und plötzlich nach Team Sleep klingen. Das passt weder in den Albumfluss, noch ergibt sich dadurch ein Mehrwert zu den vorangegangenen Songs.

Man wird das Gefühl nicht los, dass hier einfach zu schnell das Kind aus der Taufe gehoben wurde und das ist sehr schade. Etwas mehr Zeit zum Abtrocknen hätte man sich ruhig nehmen können, denn die zum Teil sehr guten Ansätze schimmern immer mal wieder durch. So bleiben aber die Songwriting-Schwächen doch zu eklatant, um vorerst eine ernsthafte Alternative zu Isis oder den Deftones darzustellen.

Benjamin Köhler

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