Rezension

My Chemical Romance

Three Cheers For Sweet Revenge


Highlights: The Ghost Of You // Cemetery Drive // Helena
Genre: Emocore // Screamo // Punk
Sounds Like: The Used // Coheed & Cambria // Finch

VÖ: 31.01.2005

Kaum zu glauben, wie lange manch gute Alben den europäischen Hörern vorenthalten werden, weil sich keine passende Vertriebsfirma findet. Fast 8 Monate sind ins Land gegangen, bevor das Majordebüt von My Chemical Romance endlich den Sprung über den großen Teich geschafft hat. Besonders The Used wird das wohl nicht gefallen haben. Denn was diese alles auf ihrem neuen Album falsch gemacht haben, machen My Chemical Romance hier richtig.

Zuerst ein Schock: "Sind das Korn?" fragt man sich bei den ersten Takten zum Opener "Helena". Doch schnell ist man beruhigt. Wie die Feuerwehr legen die fünf Jungs aus dem New Yorker Vorort Newark los und geben sogleich die Marschroute für das Album vor. Rasiermesserscharfe Gitarrenstürme lösen sich mit hymnenhaften Vocalparts von Sänger Gerard Way ab. In bester Emocore Tradition eben. Doch Vorsicht! Ein Narr, wer MCR auf ein Genre festnagelt! Denn man schreckt auch nicht davor zurück mal eben ein Fingertapping der Metalkollegen einzustreuen ("To The End") oder ein Riffgewitter im Stile von Hardcoregrößen wie Glassjaw oder Converge zu entfachen ("I Never Told You What I Do For A Living").

Ja, so macht ein Album Spaß! Hinter jeder Ecke eine neue Überraschung und dazu noch eingängige Mitsingparts, die man so schnell nicht mehr aus den Gehörgängen bekommt. Da wäre an erster Stelle das mitreißende "The Ghost Of You" zu nennen, aber auch das seinem Namen alle Ehre machende "Cemetery Drive". Das sind Songs, verdammt nochmal! Da möchte man doch zu gerne mitleiden, denn wie manche Songtitel schon vermuten lassen, geht es nicht gerade selten um Themen, wie Selbstmord, Trennungsschmerz etc. und auch sonst herrscht insgesamt eine ziemlich morbide Grundstimmung.

"Three Cheers For Sweet Revenge" ist ein Husarenritt durch die Musikgenres und fegt wie ein frischer Wind durch das verstaubte Emoland. Auf dieses Album werden sich viele einigen können, da es sowohl mit Eingängigkeit besticht, aber durchaus auch seine komplizierten Ecken und Kanten hat. Und wenn wir das nächste Mal wieder so lange warten müssen gibts Ärger!

Benjamin Köhler

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