Rezension
MS MR
Second Hand Rapture
Highlights: Hurricane // Bones // Fantasy
Genre: Indiepop
Sounds Like: Alt-J // Florence & The Machine // Lykke Li // Austra
VÖ: 10.05.2013
Passend zum Bandnamen ist Ms Mr ein Duo, bestehend aus einem Mister, Max Hershenow, der allerdings nur im Hintergrund wirkt und für den Sound verantwortlich ist, und einer Miss, Lizzy Plapinger, die sich ganz dem hingeben kann, woran man diese Band wiedererkennen soll: dem Gesang. Geistig zuhause sind die beiden Amerikaner in der Welt des Internets – Palpinger beitreibt im Netz ein Weblog, das auch als Label fungiert und beide nennen ihren Stil gern mal „Tumblr-Glitch-Pop“. Wer mit diesen ganzen Abkürzungsunternehmen nicht mehr hinterher kommt: tumblr ist ebenfalls eine Blogplattform. Da in diesem Konglomerat digitaler Informationen und (Selbst-)Darstellungen genug Stoff für Musik und Texte ist, bietet sich Ms Mr also ein breiter Nährboden für das eigene Schaffen.
Wem diese ganze Medienfassade nicht so geheuer ist und wer die Hintergründe nicht kennt oder braucht, der ist aber dennoch nicht raus, denn Ms Mr machen es auch Unbeteiligten leicht. Ihr Album "Second Hand Rapture" ist voller eingängiger Radiohits. Der Einstieg beispielsweise ist „Hurricane“ – die Single, die die Band vor knapp einem Jahr bekannt machte. Hier greift das Lana-Del-Rey-Phänomen: Ein Wahnsinnssong „and everybody loses their minds“. Nach „Hurricane“ ist jedoch – anders als vermutet – noch nicht Schluss. Das ebenfalls als Single veröffentlichte „Bones“ etwa oder „Fantasy“ können sich ebenfalls sehen lassen.
Stilistisch wissen Ms Mr – wohl auch bedingt durch den Hintergrund der Mitglieder –, was gerade den Zeitgeist trifft. Der Gesang Plapingers liegt irgendwo zwischen Florence Welch, Austra und Lykke Li und dazu nimmt man den Gute-Laune-Indiepop von Mumford & Sons, mischt noch etwas Alt-J hinein und bügelt alles fürs Formatradio glatt, wobei der Begriff "Formatradio" sowohl positiv, als auch negativ die Band beschreibt. So ist „Second Hand Rapture“ durchaus gelungen, bleibt zwar nicht über die komplette Zeit spannend und kann das Niveau der Vorabsingles auch nicht immer halten – gerade die Balladen wirken zäh –, allerdings findet man keine Komplettausfälle. Eigentlich unnötig ist es zu erwähnen, dass die Produktion des Albums technisch einwandfrei und auf höchstem Niveau ist. Man nimmt Ms Mr dadurch nur nicht so wirklich ab, dass sie ein Duo sind – denn wer kann schon zig Instrumente und Tonspuren samt Orchester live oder zu zweit einspielen? Eben. Für die beiden Bandmitglieder ist der Sound streckenweise zu überladen.
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