Rezension

Max Herre

Athen


Highlights: Villa Auf Der Klippe // 17. September // Dunkles Kapitel
Genre: Hip-Hop // Soul // Deutschrap
Sounds Like: Freundeskreis // Trettmann // Megaloh

VÖ: 08.11.2019

Songs über Städte scheinen bei Max Herre so ein Ding zu sein. Nachdem er auf „Hallo Welt“ gleich drei Städte besingt (Stuttgart, Berlin, Jerusalem), handelt sein neues Album nun selbstbetitelnd von „Athen“. Athen ist dabei für ihn mehr als eine Stadt seiner Kindheit – es ist auch ein Sinnbild eines Sehnsuchtsortes. Laut Herre geht es um das, was vielleicht war, und um das, was hätte sein können. Das hört sich größer an, als das Album am Ende ist.

So klingt auch Max Herre nach sieben Jahren Pause wie – Überraschung – Max Herre. Ein paar neue Beats sind da schon dabei, auch viele Features von anderen Künstler*innen von Trettmann bis Dirk von Lowtzow, Einspielungen unter anderem von griechischem Gesang und der DDR Band Panta Rei. Dennoch steht Herres gewohnt unaufgeregte Art, Geschichten zu erzählen, im Zentrum, die retrospektiv auf nun doch schon 47 Lebensjahre blicken.

Seine Familie spielt und spielte dabei auch auf „Athen“ eine zentrale Rolle. Der Song „17. September“ ist eine Liebeserklärung an seinen Vater. „Siebzehn“ dagegen schaut auf Herres 17-jähriges Ich und stellt es seinem 17-jährigen Sohn gegenüber. Textlich simpel, aber durchaus ziemlich gut auf den Punkt gebracht. So fragt er sich bezogen auf seinen Sohn: „Und ich frag' mich, wie es dir wohl geht // Nachts am Küchentisch, bis sich das Türschloss dreht // Treff' dich auf dem Flur mit unterlaufenen Augen // Und meine alten Lügen muss ich dir jetzt glauben“. Und natürlich darf in Bezug auf Familie auch ein Liebeslied mit Joy Denalane nicht fehlen ("Das Wenigste").

Gesellschaftspolitisch wird es bei den Tracks „Dunkles Kapitel“ und „Sans Papier“. Hier stellt er dem aktuellen Rechtsruck und Erstarken von rechtem, rassistischem und nationalistischem Gedankengut („Dunkles Kapitel“) die exemplarische Geschichte von dem illigalisierten Leben ohne Papiere entgegen („Sans Papier“). Wichtige Themen, die man in der aktuellen Gesellschaft fast nicht nicht aufgreifen kann.

Im Großen und Ganzen ist "Athen" ein gutes Album, das sich einfach so durchhören lässt, aber wo sich gute Zeilen auch beim mehrmaligen Hören noch offenbaren. Allerdings fehlen wirkliche Highlights. Das Album plätschert vor sich hin und am Ende bleibt nicht so viel hängen. Fakt ist, wer die Art mag, wie Herre Texte schreibt und rappt, findet auch hier wieder sehr gute Zeilen und Metaphern, erinnert sich an die eigene Jugend im Schoß der Kolchose und fragt sich zwischendurch, wo eigentlich die ganzen Jahre seit FK hin sind.

Lina Niebling

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