Rezension

Maserati

Pyramid Of The Sun


Highlights: Who Can Find The Beast? // Pyramid Of The Sun
Genre: Post-Rock
Sounds Like: The Samuel Jackson Five // 65daysofstatic // The Mercury Program // Tortoise

VÖ: 12.11.2010

Der Schatten, der über dem dritten Album von Maserati liegt, ist so groß, dass es sehr schwer fällt, „Pyramid Of The Sun“ vernünftig zu kritisieren. Zu hören an den Drums ist hier schließlich ein Mann, der Ende 2009 bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Bei dem Versuch, sich aus einem steckengebliebenen Fahrstuhl zu befreien, stürzte Jerry Fuchs fünf Stockwerke tief und erlag schließlich im Krankenhaus seinen Verletzungen. Nach langer Trauerzeit und ungewisser Zukunftsaussicht entschloss sich der Rest der Band, die restlichen, noch mit Fuchs eingespielten Songs als Album zu veröffentlichen.

Das „Abschiedsgeschenk“ der verbliebenen Bandmitglieder an ihren Freund ist dabei nicht etwa eine hastig zusammengewürfelte Songcompilation geworden. Ganz im Gegenteil, „Pyramid Of The Sun“ könnte in seiner Gesamtheit homogener nicht sein, präsentiert sich zudem in einem erfrischend innovativen Gewand und haucht so dem dahinsiechenden Post-Rock-Genre wieder etwas Leben ein (so makaber das auch jetzt klingen mag).

Vor allen Dingen die zahlreichen Tempowechsel, meistens initiiert von Fuchs’ eindrucksvollem Spiel, sorgen für ein abwechslungsreiches Geschehen. Math-Rock ist da nicht mehr allzu weit entfernt. Aber auch einige Ambient-Elemente sickern immer wieder durch, besonders wenn den ohnehin sehr präsenten Synthies das Feld überlassen wird und sich die ansonsten mitunter sogar recht harten Gitarrenriffs etwas zurücknehmen. Alles in allem ist das instrumentaler Post-Rock, wie man ihn technisch kaum besser hinbekommt. Dass gegen Ende des Albums ein wenig die Luft rausgeht, ist angesichts des vorangegangenen Parforceritts da schon fast geschenkt.

Bleibt noch die Frage im Raum, ob der Schlussakkord „Bye M’Friend, Goodbye” als eine reine Widmung an den verstorbenen Fuchs gemeint ist oder ob damit gleichzeitig auch eine Verabschiedung von den Fans einhergeht. Letzterer Fall wäre ein schmerzhafter Verlust für die Post-Rock-Szene, wie nicht zuletzt auch „Pyramid Of The Sun“ beweist. Es liegt an der Zeit, die Wunden zu heilen.

Benjamin Köhler

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