Rezension

Maps

Turning The Mind


Highlights: I Dream Of Crystal // Let Go Of The Fear // Die Happy, Die Smiling
Genre: Trance-Pop // Space-Rock // Elektro-Folk
Sounds Like: The Postal Service // James Yuill // Styrofoam // Arab Strap

VÖ: 06.11.2009

Allein ist der Mann. Aber er hat ja noch all seine Synthesizer und Keyboards und den Computer. Mit seinen elektronischen Helfern kann er einiges zaubern: zum Beispiel ein zweites Album mit dem Titel „Turning The Mind“. Nachdem der Vorgänger „We Can Create“ von 2007 so viele positive Kritiken geerntet hat, muss James Chapman, der Macher hinter Maps, ziemlich glücklich gewesen sein. Auch wenn die Lobeshymnen beim Nachfolger noch nicht ganz so zahlreich sind, wird er dennoch nicht in Melancholie verfallen – wenn er sich an die „Turning-The-Mind-Theorie“ hält. Dabei handelt es sich nämlich um eine Methode aus der kognitiven Verhaltenstherapie nach Professor Marsha M. Linehan. Der hat eine Taktik entwickelt, wie Patienten ihre negativen Gedanken ganz einfach in positive umwandeln können, indem sie die Realität so akzeptieren, wie sie eben ist, egal wie schrecklich sie in Wirklichkeit sein mag. Klingt irgendwie nach Selbst-Täuschung, scheint aber zu funktionieren.

Man müsste James Chapman persönlich fragen, um zu erfahren, wie weit er in seinen Selbstversuchen zu Liebe der Musik (die nach seinen Aussagen sein Leben ist) gegangen ist. „Turning The Mind“ jedenfalls ist ein Album über das menschliche Gehirn und wie es auf gewisse Stimulanzien, vor allem chemische, reagiert. Untersucht hat der gute James alle verschiedenen Extreme, von Depressionen zu Euphorie und von Abgründen bis zur Glückseligkeit. Eben diese Extreme sind auch auf dem Album zu hören. Der Opener „Turning The Mind“ bringt den Hörer, der am besten die Augen schließen sollte, auf einem bequemen Sessel in die unendlichen Weiten des Weltraums. Sphärischer Space-Rock wird dort geboten.

Mit euphorischen Synthie-Klängen und James' beruhigender Flüster-Stimme geht es auch im nächsten Song weiter. „I Dream Of Crystal“ klingt optimistisch und verträumt zugleich. Musik zum Wohlfühlen unter einer Kuscheldecke. Auch das dazu gehörige Musikvideo ist eine Wohltat für die Augen und die Ohren. Zu sehen ist James Chapman, mit hunderten bunten Lichtprojektionen auf seinem Gesicht, und immer wieder ein riesiges Maschinen-Auge, dessen Pupille in ständiger Bewegung ist. Aber wie möglicherweise erwartet, wirkt dieses „Computer-Auge“ nicht mechanisch und beängstigend, sondern irgendwie natürlich und gutmütig - genau wie auch die ruhigeren Maps-Songs irgendwie natürlich und vertraut klingen, und nicht nach den Maschinen, aus denen sie entstanden sind. Aber es war ja die Rede von Höhen und Tiefen, von verschiedenen Extremen. Und so zeigt zum Beispiel „Let Go Of The Fear“ das Gegenteil und lässt den Hörer seine Angst beim Tanzen zu Elektro-House-Klängen abschütteln. Was „Turning The Mind“ mit dem Gehirn des Hörers anstellt, das muss jeder für sich selbst erfahren. Wenn wir zusätzlich zur Musik von James Chapman aber auch die Taktik von Professor Linehan beherzigen, dann kann ja alles nur gut ausgehen!

Marlena Julia Dorniak

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