Rezension

Lina_ Raül Refree

Lina_ Raül Refree


Highlights: A Mulher Que Já Foi Tua // Quando Eu Era Pequenina // Ave Maria Fadista // Medo
Genre: Fado
Sounds Like: Ana Moura // Rosalía // Beth Gibbons

VÖ: 17.01.2020

Raül Refree hatte ein erfolgreiches Jahr 2020: Der spanische Produzent veröffentlichte im Februar ein Album mit Sonic Youths Lee Ranaldo und bereits im Januar war seine Kooperation mit Lina Rodrigues erschienen. Die Fado-Sängerin und der Produzent schufen mit dem einfach „Lina_ Raül Refree” betitelten Album eine der außergewöhnlichen Platten des Jahres.

Das Album ist einerseits vollkommen im traditionellen Fado-Gesang verwurzelt. Lina Rodrigues ist darin eine Virtuosin. Zudem stammen die meisten Stücke aus dem Repertoire der Fado-Legende Amália Rodrigues. Dieser traditionellen Songauswahl und diesem traditionellen Gesang ordnen sich Refrees Produktionen zumeist unter und akzentuieren sie, ohne sich aber zu sehr an herkömmliche Instrumentierungsmuster zu halten. Manchmal sind die Produktionen einfach und nur darum bemüht, den Gesang noch mehr strahlen zu lassen. In vielen anderen Fällen changieren sie aber zwischen simpler Electronica, Ambient, Drone und TripHop, um so die Stücke oder vielleicht sogar das Genre Fado auf ganz neue Ebenen zu heben. Ob die Produktion pures Klavierspiel ist, aus sanft dröhnender Rückkopplung besteht oder aber Synthesizerflächen nutzt, immer bleibt der Gesang das zentrale Element der Stücke.

Refrees Produktionen ohne Lina Rodrigues Gesang oder mit Gesang einer weniger ausdrucksstarken Sängerin wären interessant. Rodrigues Gesang mit traditionellen Produktionen wären fantastisch. Die Kombination beider Elemente schafft faszinierende Musik, die ihrer Tradition verhaftet ist, aber diese auch visionär weiterdenkt. Den Titel ihres gemeinsamen Albums haben Lina Rodrigues und Raül Refree somit sehr passend gewählt. Mit der gleichberechtigten Sebstbetitelung verdeutlichen sie, dass ihre Veröffentlichung ein Produkt ist, das in dieser Form nur von ihnen gemeinsam geschaffen werden konnte. Die Beiträge von beiden sind essentiell für die Qualität, die Offenheit und die Faszination des präsentierten Fado. Subjektiv mag es dennoch besonders Lina Rodrigues Gesang sein, dem diese Platte die Tiefe und Dauer ihrer Wirkung verdankt.

Oliver Bothe

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