Rezension

Kraków Loves Adana

Darkest Dreams


Highlights: Don't Ask Why // Paradise On Fire
Genre: Indie-Pop // Synth-Pop // New Wave
Sounds Like: Cat Power // Hundreds // Molly Nilsson

VÖ: 25.09.2020

Im Jahr 2020 ist es nichts Ungewöhnliches, wenn Veröffentlichungen verschoben werden. Angesichts der Lage sind Touren mühevoll bis unmöglich, bleiben aber die einzige Möglichkeit für Label und Künstler, mit neuer Musik Profit zu machen. Also wartet man eben. Das dachte sich auch das amerikanische Label Italians Do It Better, bei dem Kraków Loves Adana unter Vertrag standen. Das Indie-Pop-Duo sah das anders und trennte sich kurzerhand wieder von der Plattenfirma. So erscheint „Darkest Dreams“ wie geplant dieses Jahr, allerdings in Eigenregie.

Es ist das fünfte Album der Hamburger. Für Songwriting und Produktion ist seit einigen Jahren Sängerin Deniz Çiçek allein verantwortlich, während Bandpartner und Lebensgefährte Robert Heitmann sich um die Abläufe im Hintergrund kümmert. Der Sound, gerade Çiçeks markanter Gesang und die immer durchklingende Melancholie, bleibt klar erkennbar, ist dieses Mal aber deutlich von den 80ern inspiriert. Durch die Songs ziehen sich Referenzen an New Wave und Neue Deutsche Welle. Eine schlüssige Entwicklung, aber nichts, was man nicht schon gehört hätte.

Einige Tracks locken mit Synth-Melodien und treibenden Bässen auf die Tanzfläche, während andere mit schönen, unaufgeregten Gitarren eher Bilder von langen Autofahrten über schattige Landstraßen hervorrufen. „Don‘t Ask Why“ klingt zwar nach Roadmovie, handelt aber von der Schwerfälligkeit, die einen in der Depression oft übermannt. „Faded To Black“ hätte mit seinem L.A.-Sound und dem geisterhaft geloopten Chor-Sample auch gut als Untermalung zum Film „Drive“ gepasst. Und „Paradise On Fire“ lässt sich in der Playlist gut irgendwo zwischen The Cure und DAF einfügen.

Im Ganzen ist „Darkest Dreams“ ein stimmungsvolles Album, düster, aber nicht hoffnungslos – zwischen ewiger Nostalgie und Summertime Sadness. Leider bleiben nicht alle Lieder gleichermaßen im Ohr, was zum einen an fehlenden Alleinstellungsmerkmalen, zum anderen an Çiçeks stoisch tiefer Stimme liegt, von der man sich hier und da mehr Variation oder Gefühl wünscht. Gerade „Falling In A Dream“ und „I Want To Want Nothing“ bleiben belanglos, „Love Isn‘t Dead“ fällt höchstens durch die einlullende Chiptune-Melodie auf.

Kraków Loves Adana stehen mit ihrem Sound in der deutschen Musiklandschaft etwas abseits und hätten von der Vermarktung eines internationalen Labels sicher profitieren können. Mit „Darkest Dreams“ sollte es aber nicht allzu schwer fallen, bei Fans und neuen Hörern Gefallen zu finden.

Marc Grimmer

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Video zu "Don't Ask Why"
Video zu "The Ocean Between Us"
Video zu "Darker Darkness"

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